Grüne fordern Abkehr von LNG-Importen aus den USA
Berlin (energate) - Geht es nach den Grünen, soll sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Brüssel für die Aufkündigung der europäischen Importzusagen für amerikanisches LNG-Gas stark machen. Dies sagte Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, angesichts des EU-Sondergipfels. Es sei kein Zufall, dass sich die derzeitigen internationalen Konflikte an Staaten und Territorien wie Venezuela und Grönland mit großen fossilen Rohstoffvorkommen entzündeten, sagte Verlinden. Die Gier um fossile Energien stehe immer wieder im Zentrum kriegerischer und völkerrechtswidriger Aggressionen.
Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kommen angesichts der Drohungen von US-Präsident Donald Trump zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Dort steht auch der Zolldeal zur Disposition, auf den sich die EU und die USA im Juli vergangenen Jahres geeinigt hatten. Darin hatte die EU zugesagt, über die kommenden drei Jahre Energieprodukte wie Flüssigerdgas und Uran für Kernkraftwerke im Gesamtwert von 750 Mrd. Euro von den USA zu kaufen. Das EU-Parlament hat diesen Deal vorerst auf Eis gelegt.
DUH: Import von US-LNG auf Rekordhoch
"Spätestens seit der unverhohlenen Trump-Drohung eines Angriffs auf einen Nato-Bündnispartner ist die Beschaffung von fossilen Energien für 750 Mrd. Dollar aus den USA weder sicherheits- noch klimapolitisch zu vertreten", sagte Verlinden. Das Geld solle besser in den gemeinsamen Umbau der europäischen Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien investiert werden. Bundeskanzler Merz sprach im Anschluss an seine Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zwar den nötigen Umbau des deutschen Energiesystems an, verwies jedoch nur auf den Bau von Erdgaskraftwerken.
Einer aktuellen Analyse der deutschen Umwelthilfe zufolge stiegen die deutschen LNG-Importe aus den USA 2025 mit rund 101 TWh um mehr als 60 Prozent auf einen neuen Höchstwert. Rund 96 Prozent der deutschen LNG-Importe würden damit aus den USA stammen - mit Kosten von 3,2 Mrd. US-Dollar, teilte die DUH mit. "Die neue Abhängigkeit von Trump ist fatal. Die Bundesregierung muss neue US-LNG-Verträge umgehend stoppen und konsequent Effizienzprogramme fördern und Erneuerbare ausbauen", forderte auch DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. /ck