Gasspeicher leeren sich - Alarmrufe bleiben aus
Berlin (energate) - Angesichts klirrender Kälte leeren sich die deutschen Gasspeicher. Aber ein Preissprung im Gashandel bleibt - etwas überraschend - aus. Eine Gasmangellage gilt als unwahrscheinlich, wie Stimmen aus dem Gashandel, aber auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium einordnen.
Am 8. Januar liegt der Füllstand aller deutschen Gasspeicher laut der Transparenzplattform AGSI durchschnittlich noch bei 51,80 Prozent und damit 23 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresmonat mit damals noch 75,5 Prozent. Einzelne Speicherstandorte wiederum sind nochmals deutlich leerer - so Deutschlands größter Gasspeicher im niedersächsischen Rehden mit nur 13 Prozent oder die bayerischen Speicher Inzenham-West bei Rosenheim mit 23 Prozent oder Breitbrunn mit 28 Prozent. Ein akutes Versorgungsproblem ist aber dennoch nicht in Sicht.
Das liege auch daran, dass der Dezember 2025 nicht kalt war - mit im Mittel +3,2 Grad - und sich damit der Blick auf den Januar etwas verbessert hat, erläuterte Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines). Der Verband gibt regelmäßige Updates zur Versorgungssicherheit heraus und hatte zuletzt Mitte November durchgerechnet, dass bei extrem kalten Temperaturen ab Mitte Januar Unterdeckungen drohten. Wären also die Temperaturen bereits im Dezember in den tiefen Minusbereich wie zuletzt im Winter 2010 abgerutscht, dann hätte die Ausgangsbasis mit nur zu 20 Prozent gefüllten Speichern für Probleme sorgen können. Ob Ines beim nächsten geplanten Update am 20. Januar mit den neuesten Zahlen in puncto Gasmangel eine komplette Entwarnung geben könne, wird jedoch erst mit dem Abschluss der Berechnungen klar sein, so Heinermann. Diese laufen derzeit noch.
Nicht nur Aus-, sondern auch Einspeicherungen
Auch eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums gab sich in der Bundespressekonferenz entspannt. "Es ist so, dass die Händler derzeit sowohl ausspeichern als auch einspeichern, weswegen wir die Lage als sicher betrachten", sagte sie. Deutschland liege aktuell relativ im Durchschnitt. Laut AGSI sind die europäischen Speicher zu über 58 Prozent voll, Frankreich steht beispielsweise bei 52 Prozent, die Niederlande bei 44,5 Prozent, Österreich bei 60 Prozent. Kroatien ist das Schlusslicht mit 35 Prozent, wo es allerdings nur einen einzigen Gasspeicher gibt.
Als Vorteil betonte die Ministeriumssprecherin die zusätzlichen Importmöglichkeiten über LNG-Schiffe. "Auch aufgrund der LNG-Terminals, die es mittlerweile als Back-up gibt, ist die Versorgungssicherheit auf einem anderen Stand als noch vor ein paar Jahren", sagte sie. Damit argumentierte auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die trotz des recht leeren größten Gasspeichers Rehden die Alarmstufe im Notfallplan Gas zum 1. Juli 2025 beendet hatte.
Sommerspeichergas drückt Preise
Auch die Erdgashändlerinnen und -händler sind eher tiefenentspannt, trotz tageweiser hoher Ausspeicherungen. Das weltweite Gasangebot inklusive LNG gilt als ausreichend, die Nachfrage in Teilen von Asien, insbesondere Japan und China, ist rückläufig. Zwar erwarten Analysten, der Füllstand könne bis Ende des Winters auf zehn bis 15 Prozent sinken. Trotzdem herrscht keine Panik vor den Trader-Bildschirmen: "Es kann so viel LNG geliefert werden, dass dies fehlende Speichermengen kompensieren kann", argumentierten Händler gegenüber energate. Die Gelassenheit spiegelt sich auch in den Erdgaspreisen wider. An der TTF blieben die Notierungen diese Woche unter der 30-Euro-Marke, am deutschen THE VHP waren es 1,30 bis 1,60 Euro/MWh mehr. Aber von den Preiskapriolen in Zeiten der Gaskrise ist man damit weit entfernt.
Ein Grund neben dem guten LNG-Angebot könnte zudem der Rückgriff auf das Erdgas in den Speichern sein. Am 6. Januar lag die deutsche Spitzenlast beispielsweise bei 6,2 TWh, hauptsächlich der Eigenbedarf plus 0,7 TWh für Exporte. Der Bedarf wurde mit 3,2 TWh mehrheitlich aus den Speichern gedeckt. "Es ist davon auszugehen, dass das günstige Sommergas, das derzeit aus den Speichern entnommen wird, die Gaspreise stabilisiert", betonte Ines-Geschäftsführer Heinermann im Gespräch mit energate. Fraglich sei jetzt, wie lange dieser Effekt noch anhalten kann, bis andere, womöglich teurere Quellen zum Einsatz kommen müssen und damit preissetzend werden könnten. Je leerer die Speicher werden, desto weniger Handlungsspielraum haben die Marktakteure, die bei den eingelagerten Mengen auch zukünftige Versorgungszeiträume im Blick behalten und Sicherheiten vorhalten müssen.
Füllstandsvorgaben in der Kritik
Zum Stichtag 1. Februar greift die gesetzliche Füllstandsvorgabe von 30 Prozent für jede Gasspeicheranlage. Ausnahmen bilden die bayerischen Speicher Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg, die für die süddeutsche Versorgungssicherheit wichtig sind und daher 40 Prozent erreichen sollen. Der vom Staatskonzern Uniper betriebene Speicher Breitbrunn sowie Wolfersberg, der in kommunaler Hand ist, werden dies nicht erreichen. Für beide Anlagen sind Stilllegungsanträge bei der Bundesnetzagentur gestellt beziehungsweise in Vorbereitung. Auch bei Deutschlands größtem Speicher Rehden im Staatsbesitz ist das Ziel in weiter Ferne.
Große Teile der Gasspeicherbranche und eine vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Studie kritisieren die Füllstandsvorgaben als kontraproduktiv und fordern ihre Abschaffung. Das Ministerium will aber zunächst daran festhalten, wie ein energate-Talk zeigte. Wird eine Füllstandsvorgabe gerissen, könnte theoretisch der deutsche Gasmarktgebietsverantwortliche THE gegensteuern und den Einkauf übernehmen. Bisher hat es weder im Jahr 2025 noch Anfang dieses Jahres dazu einen Auftrag gegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium will damit wohl hohe Ausgaben zulasten der Staatskasse vermeiden und sieht die LNG-Terminals sowie die Pipelinelieferungen als ausreichende Versicherungen an. Die Kosten wurden bisher über die Gasspeicherumlage gewälzt, die mit dem Jahreswechsel 2026 abgeschafft wurde. 3,06 Mrd. Euro überwies die Bundesrepublik Deutschland Ende 2025 zum Ausgleich des Gasspeicherumlagekontos an THE und damit etwas weniger als befürchtet. /mt