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Gasspeicher Breitbrunn scheitert an Füllstandsvorgaben

Düsseldorf (energate) - Der bayerische Gasspeicher Breitbrunn wird seine Füllstandsvorgaben verfehlen. Die Betreibergesellschaft Uniper Energy Storage (UST) rechnet nach gescheiterten Vermarktungsversuchen nicht mehr damit, die Anlage bis zum 1. Oktober zu 80 Prozent befüllen zu können. Daher hat das Unternehmen noch nicht vermarktete Kapazitäten dem Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) zur Befüllung angeboten. So sieht es das EnWG (§ 35a ff.) vor. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dem nun aber den Riegel vorgeschoben. Wie UST mitteilte, habe das Ministerium, das die Buchung und Befüllung durch THE genehmigen muss, seine Zustimmung verweigert. 

 

Stilllegung angemeldet - Entscheidung offen

 

Konkreter Anlass war eine Vermarktung von 2.000 GWh Arbeitsgaskapazität für den Rest des aktuellen Speicherjahres am 6. Mai. Diese blieb erfolglos, bei dem Betreiber ging kein einziges Angebot für die Kapazitäten der bayerischen Speicheranlage ein. In dem Speicher sind 5.310 von 11.400 GWh, also weniger als die Hälfte, vermarktet. Der Speicher ist aktuell aber nur zu 8,6 Prozent befüllt. Im April haben nur ganz vereinzelt Einspeicherungen stattgefunden. Der sehr geringe Spread zwischen dem nächsten Winter und dem Rest dieses Sommers bietet nach Einschätzung von UST keinen Anreiz, um die bereits gebuchten Kapazitäten auch tatsächlich zu nutzen. 

 

Die geringe Auslastung des Speichers Breitbrunn treibt den Energiekonzern Uniper schon länger um. Die Betreibergesellschaft UST hat den Speicher bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet. Durch die geringe Nachfrage sei der wirtschaftliche Betrieb nicht mehr darzustellen, hatte Uniper-COO Holger Kreetz bei seinem energate-Redaktionsbesuch im November 2025 den Schritt begründet. "Dann diskutieren wir Stilllegungen." Zum 1. April 2027 soll die Anlage den Betrieb einstellen. Die zuständige Beschlusskammer (BK) 7 der Bundesnetzagentur hat noch keine Entscheidung getroffen, ob sie der Stilllegung zustimmt. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte schon im Oktober 2025 gefordert, den Speicher Breitbrunn aus Gründen der Versorgungssicherheit zu erhalten. Sollte die BK 7 zu dem Ergebnis kommen, eine Stilllegung des Speichers gefährde die Versorgungssicherheit in Deutschland und der EU, muss sie die Stilllegung verweigern. So sieht es das EnWG vor.

 

Bundesrat fordert Strategie für sichere Versorgung

 

Auch der Bundesrat zeigte sich auf seiner Sitzung am 8. Mai besorgt über die Speicherfüllstände. Die Länderkammer forderte die Bundesregierung in einer Entschließung auf, eine Strategie für eine sichere Gasversorgung zu entwickeln. Sie müsse dafür Sorge tragen, dass bis zur Heizperiode 2026/27 die Füllstände "ein angemessen sicheres Niveau" erreichen. Ziel müsse es sein, die Gefahr steigender Kosten im kommenden Winter abzuwenden, heißt es in der Begründung zur Initiative. Die aktuellen Gasspeicherfüllstände lägen deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Zuletzt (6. Mai) betrug der Füllstand der deutschen Gasspeicher knapp 27 Prozent, ein Jahr zuvor waren die Speicher zu knapp 35 Prozent gefüllt. Eine Kältewelle oder ausbleibende Lieferungen im kommenden Winter könnten zu Versorgungsengpässen führen und somit Preisschocks auslösen, warnte der Bundesrat in seiner Stellungnahme. Das könnte private Haushalte und produzierende Unternehmen gleichermaßen in Bedrängnis bringen.

 

Darüber hinaus bitten die Länder die Bundesregierung, herauszufinden, mit welchen Maßnahmen Gas eingespart werden könne, um die Versorgung sicherzustellen und starke Preisanstiege zu verhindern. Diese Maßnahmen müssten dann schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Sie regen zudem an, eine strategische Gasreserve für Deutschland einzuführen, die strikt für Gasversorgungsnotfälle ausgestaltet werden solle. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft bereits die Einführung einer solchen Reserve.

 

Speichervermarktungen ohne Erfolg

 

Nicht nur UST tut sich aktuell mit der Vermarktung von Speicherkapazität schwer. Auch Storengy Deutschland hat Anfang Mai zwei Verfahren erfolglos beendet. Für den Speicher Uelsen in Niedersachsen wurden 1.500 GWh Arbeitskapazität für die beiden Speicherjahre 2027/28 und 2028/29 offeriert. Für den Speicher Lesum in Bremen wurden 1.200 GWh für das nächste Speicherjahr angeboten. In beiden Fällen hatte Storengy Deutschland das First-Come-First-Served-Verfahren gewählt, das Mitte März gestartet war. Der Betreiber hat zwar einige Angebote erhalten, die aber unter dem internen Mindestpreis lagen. VNG Gasspeicher (VGS) hatte am 5. Mai 560 GWh Arbeitsgaskapazität für den Rest des aktuellen Speicherjahres für den Erdgasspeicher Etzel (Etzel ESE) angeboten. Nur ein Drittel der Kapazität wurde verkauft. 360 GWh kann VGS für das aktuelle Speicherjahr noch vermarkten.

 

Es gibt aber auch Erfolge bei der Speichervermarktung: Am 7. Mai hatte UST 2.000 GWh Arbeitsgaskapazität für den bayerischen Speicher Bierwang angeboten. Die Kapazität wurde für zwei Jahre ab dem 1. April 2027 angeboten. Der Preis ist ein Indexpreis. Unternehmen sollten einen Aufschlag auf den Sommer-Winter-Spread bieten. UST ist nicht gezwungen, den aktuell negativen oder sehr niedrigen Spread jetzt schon zu fixieren. Die Frist für die Fixierung des Spreads endet erst kurz vor Beginn des jeweiligen Speicherjahres. 15 Angebote gingen bei dem Speicherbetreiber ein, auf deren Basis die Kapazität verkauft wurde. /hl/tc

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