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Flexperten: 3 GW Speicherkraftwerke zeitnah möglich

Berlin (energate) - Die Zeit drängt, um die in Grundlast durchlaufenden Biogasanlagen in flexible Speicherkraftwerke umzubauen. "Wir haben jetzt die Chance und müssen Gas geben", appellierte Uwe Welteke-Fabricius, der Sprecher der Flexperten, auf ihrer Onlineveranstaltung "Biogas Reloaded, neue Regierung: Was geht?" Noch wird das bereits Ende Januar von der alten Ampelregierung beschlossene Biogaspaket in Brüssel geprüft. Die Initiative rät dennoch dazu, sich bereits jetzt auf die kommenden Ausschreibungen vorzubereiten. 1.300 MW sollen noch im laufenden Jahr unter den Hammer kommen, 2026 weitere 1.126 MW, bevor es in den folgenden Jahren dann drastisch abfällt auf nur noch 76 MW. Gleichzeitig soll der Flexibilitätszuschlag deutlich von 65 auf 100 Euro pro kW steigen, was selbst für die Flexperten eine freudige Überraschung war.

 

In Deutschland sind heute Biogasanlagen mit 6 GW installiert, von denen bisher noch viele den größten Teil der insgesamt 8.760 Stunden im Jahr einfach durchlaufen. Das heißt, sie können ähnlich wie fossile Kraftwerke nur eingeschränkt darauf reagieren, ob Strom gebraucht wird oder zu viel davon im Netz ist. Nur 0,4 GW sind bereits sogenannte flexible Speicherkraftwerke, das heißt ihre Leistung wurde dreifach oder noch mehr überbaut, um auch mit geringeren Betriebsstunden den erforderlichen Output liefern zu können. Die Blockheizkraftwerke laufen dann im Sommer weniger als vier und im Winter auch mal bis zu acht Stunden - je nach Wärmebedarf. In den übrigen Betriebsstunden wird das Biogas gespeichert, um für diese Phasen des hohen Verbrauchs zur Verfügung zu stehen. Die Wärme lässt sich in einem Wärmepuffer speichern und in den Ruhezeiten des BHKW für die Wärmeversorgung nutzen.

 

Mindestens vier Mrd. Euro für Flexkraftwerke

 

Fabricius schätzt, dass sich die Investitionsförderung auf mindestens 4 Mrd. Euro summiert, inklusive Marktprämie auf 6,8 Mrd. Euro. Dank Biogaspaket könnten sich in den nächsten Jahren 3 GW neue Speicherkraftwerke aufbauen lassen. Ziel von Bundeswirtschaftsministerium und auch der Bundesnetzagentur sei es, durch die auf maximal 2.920 Stunden begrenzte Marktprämie der drohenden Netzüberlastung entgegenzusteuern. Ab dem fünften Jahr nach Zuschlagserteilung sollen die geförderte Betriebsviertelstunden nochmals heruntergehen, ab dem elften Jahr auf 9.680, was 2.420 vollen Stunden entsprechen würde.

 

Was folgt daraus für die BHKW-Betreiber? Die Leistung muss mindestens vierfach überbaut werden, heißt statt beispielsweise 1 MW würden dann an einem großen Standort 4 MW inklusive Speicher stehen. Der Flexperten-Sprecher Fabricius geht sogar von einem Trend einer achtfachen Überbauung aus. "Die Solaranlagen verderben jetzt schon wochenweise die eigenen Preise, auch wenn sie nicht Schuld sind." Kohlekraftwerke schalteten wegen hoher Abschaltkosten eben nicht ab, somit verstopfe das gesamte Stromsystem. Zwar könnten Batteriespeicher das Problem abmildern - und damit auch Konkurrenz für Speicherkraftwerke werden - aber nur zum Teil. Fabricius appellierte an die Betreiber der Biogas-Dauerläufer, jetzt zu handeln und ihre Fahrweise umzustellen. Die Politik werde sich mit Blick auf den Blackout in Südeuropa die Bandeinspeisung vermutlich nicht mehr lange gefallen lassen und könnte dann grundsätzlich an der Biogasförderung rütteln. Dass Wasserstoff den Biogasmarkt verderben könnte, befürchten die Flexperten nicht. Bis größere Mengen im deutschen Kernnetz ankommen, würden noch viele Jahre vergehen, betonten Teilnehmende der Onlineveranstaltung. /mt

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