Flexibler Netzanschlussvertrag für Biogasanlage
Kropp (energate) - Der norddeutsche Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) geht neue Wege bei der Einspeisung von Strom aus Biogasanlagen. Mit dem Anlagenbetreiber Bioenergie Kropp hat das Unternehmen einen flexiblen Netzanschlussvertrag abgeschlossen. Es handele sich um die erste Vereinbarung dieser Art in Schleswig-Holstein, teilte der Netzbetreiber mit. Der neue Vertrag legt fest, dass der Betreiber einer Biogasanlage Strom zu vorher festgelegten Zeiträumen ins Netz einspeisen. Das passiert vor allem in den Morgen- und Abendstunden, also außerhalb der Einspeisespitzen durch Photovoltaik.
Langfristige Planbarkeit des Anlagenbetriebs
Die Zeitfenster orientieren sich an den tages- und jahreszeitlichen Schwankungen der Netzauslastung. Sie sollen es dem Anlagenbetreiber ermöglichen, den Betrieb der Biogasanlage entsprechend zu planen. "Der stark durch Photovoltaik geprägte Standort in Kropp eignet sich besonders gut für dieses Pilotprojekt, da sich die Einspeisezeiten zu Sonnenauf- und -untergang auf Basis historischer Daten verlässlich vorab festlegen lassen", erklärte Imke Hebbeln, Projektmanagerin von SH Netz. Neben der Biogasanlage soll zudem ein Wärmespeicher entstehen, der Wärme für die norddeutsche Gemeinde Kropp liefert.
Darüber hinaus entwickelt SH Netz derzeit weitere flexible Netzanschlussvereinbarungen. So soll beispielsweise auch in Windenergieregionen ein solche Vereinbarung möglich werden, wo die Einspeisung bedeutend variabler ist und nicht von festen Tageszeiten abhängt. Das Pilotprojekt fällt in eine Phase, in der die Diskussionen um die Vergabe von Netzanschlüssen an Fahrt gewinnen. In dem Kontext ist auch das Konzept der flexiblen Netzanschlussvereinbarung, auch FCAs (Flexible Connection Agreement) genannt, aufgekommen, das bisher vor allem im Zusammenhang mit Batteriespeichern Anwendung findet.
Flexible Netzanschlüsse auch anderweitig eine gute Alternative
Doch aufgrund der Netzengpässe könnten FCAs künftig eine größere Rolle im Markt spielen. Eine Studie von E-Bridge Consulting, Amprion und Eon hatte zuletzt beispielsweise empfohlen, flexible Netzanschlussvereinbarungen auch für Rechenzentren einzusetzen. So könnten Netzanschlüsse ermöglicht werden, wo Netzkapazitäten nur temporär verfügbar sind. Vor allem in der Region Frankfurt ist das ein großes Problem, das Netz des hessischen Netzbetreibers Syna ist bereits für die nächsten Jahre ausgebucht. /lw