EWE will Gasspeicher spätestens ab Juli füllen
Oldenburg (energate) - Für Deutschlands Energieversorger wird der Krieg im Nahen Osten zusehends zu einer Belastungsprobe. Der EWE-Konzern spürt dies unter anderem in seiner Rolle als einer der großen Gasspeicherbetreiber des Landes. Obwohl die Niedersachsen 80 Prozent dieser Kapazitäten an Händler vermarktet haben, zögern diese beharrlich, ihre Buchungen in höhere Speicherfüllstände umzumünzen. Das erklärte EWE-CEO Stefan Dohler bei der Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 2025. Ausschlaggebend für die Zurückhaltung sei der kriegsbedingt gestörte Sommer-Winter-Spread bei den Großhandelspreisen, nachdem nach wie vor unklar ist, wann die Straße von Hormus als wichtiger Seehandelsweg für die weltweite Öl- und Gasversorgung wieder geöffnet wird.
Wird die Zeit zur Gasspeicherbefüllung knapp?
Aktuell sind Deutschlands Gasspeicher insgesamt zu knapp 24 Prozent gefüllt. "Sicherlich nicht genug um durch den Winter zu kommen", so Dohler. Ganz akuter Handlungsdruck bei den konzerneigenen Speichern bestehe mit Blick auf die nächste Heizperiode dennoch nicht, erläuterte er gegenüber energate. Weil die 47 EWE-Gasspeicher Salzkavernen sind, könne der Konzern diese vergleichsweise schnell befüllen, führte er aus. Um die derzeitige Füllstandvorgabe von 80 Prozent zum 1. November zu erreichen, müsse der Konzern spätestens im Juli mit der strukturellen Befüllung beginnen. Allerdings: "Porenspeicher füllen sich deutlich langsamer", so der CEO. Die Betreiber dieser Anlagen müssten Dohler zufolge bereits im Mai mit der Befüllung starten.
Porenspeicher sind vor allem ehemalige Erdöl- und/oder Erdgaslager, die laut BDEW-Statistik rechnerisch 38 Prozent der gesamten Speicherkapazität (86 von rund 251 TWh Gas) zur Verfügung stellen. "Wenn die Situation in der Straße von Hormus länger anhält", so Dohler, könne es schwierig werden, "jemanden zu finden, der diese Speicher befüllt." Darauf müsse die Politik vorbereitet sein, sagte er mit Blick auf die Pläne, eine nationale Gasreserve aufzubauen. Schließlich könnten die Sommerpreise im Lichte des Krieges auch weiter steigen. Dass die Bundesregierung derzeit "intensiv konsultiert, wie eine marktorientierte Gasreserve aussehen kann", sei richtig. Der Speicherbetreiberverband Ines plädierte in diesem Zusammenhang unlängst für eine Notreserve im Umfang von 78 TWh.
Hochpreisphase kühlt Wettbewerb im Vertrieb ab
Deutliche Spuren hinterlässt die gegenwärtige Energiepreiskrise auch im Vertrieb der EWE. Im Angesicht der erhöhten Großhandelspreise sei der vormals traditionell intensive Wettbewerb weitgehend zum Erliegen gekommen und auch die Wechselbereitschaft der Strom- und Gaskunden nur noch gering, berichtete Dohler. Dazu, wie der Konzern seine Beschaffungsstrategie auf die gegenwärtige Lage eingestellt hat, wollte der CEO nicht ins Detail gehen. Gleichwohl ließ er durchblicken, dass die EWE ihre Beschaffung bislang nicht gestoppt hat. Ferner sei die Marktbeobachtung intensiviert worden. Insgesamt sei die EWE mit ihrer langfristigen Beschaffungsstruktur stabil unterwegs und versorge gegenwärtig 1,4 Mio. Strom- und Gaskunden, 500.000 davon im Gassegment.
Rückschläge kein Grund vom Wasserstoffpfad abzuweichen
Wie die gesamte Branche investiert auch die EWE massiv in die Transformation der Energieinfrastruktur. 2025 erreichte das Investitionsvolumen das Rekordniveau von 1,6 Mrd. Euro, konstatierte Finanzchef Frank Reiners. Ein großer Teil dieses Budgets floss in den hauseigenen Wasserstoffhochlauf - genauer in die sogenannte Clean Hydrogen Coastline. Bislang allerdings kommt der Wasserstoffhochlauf nicht wie erhofft in Gang und die EWE selbst war 2025 vom Rückzug des Stahlkonzerns Arcelor Mittal als designierter Ankerkunde des Wasserstoffkernnetzes in Norddeutschland betroffen. "Für EWE ist das kein Grund zur Kursänderung", stellte die Unternehmensführung klar. Die EWE-Wasserstoffstrategie sei "langfristig angelegt, auf mehrere Anwendungsbereiche verteilt und in eine integrierte Infrastruktur eingebettet".
Kapitalmaßnahmen für Milliardeninvestitionen 2026
Im laufenden Jahr soll der Investitionsrahmen der EWE einmalig auf 2 Mrd. Euro ansteigen. Das kündigte der CEO auch mit Blick auf den beträchtlichen Netzausbaubedarf im Einzugsgebiet an. Um dazu eine solide Finanzierung auf die Beine stellen zu können, plant der Konzern umfangreiche Kapitalmaßnahmen. Einerseits soll über eine Anleihe voraussichtlich 500 Mrd. Euro Fremdkapital eingeworben werden, andererseits streben die Niedersachsen eine Kapitalerhöhung an. Beides soll "im Jahresverlauf über die Bühne gehen", kündigte CFO Reiners an.
Schwaches Windkraftjahr drückt aufs Ergebnis
Das Geschäftsjahr 2025 beschloss die EWE mit einem Ergebnisrückgang. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ebit (oEbit) lag mit rund 569 Mio. Euro 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Als Hauptgrund führte Reiners das vergleichsweise schwache Windjahr an, welches das Ergebnis der Erneuerbaren-Sparte der EWE drückte. Außerdem lief das Gasspeichergeschäft auch 2025 - also deutlich vor der gegenwärtigen Krise - wirtschaftlich schlechter als im Vorjahr. /pa