EWE treibt grünes Wasserstoffprojekt in Emden voran
Oldenburg (energate) - Während Statkraft die Planung des Elektrolyseurs in Emden gestoppt hat, vergibt die EWE den nächsten Großauftrag für den Bau ihrer noch größeren Anlage am Standort. Die drei Verdichter für den Elektrolyseur mit 320 MW Leistung liefert das nordrhein-westfälische Familienunternehmen Neuman & Esser. Bereits im März hatte dieses den Verdichter-Auftrag für das verbundene H2-Speicherprojekt in Huntorf an Land gezogen, das zum Gesamtvorhaben "Clean Hydrogen Coastline" gehört.
Den Auftragswert beziffert EWE auf Nachfrage nicht. Für die Wasserstoffproduktion in Emden sind aber Gesamtinvestitionen von über 500 Mio. Euro veranschlagt. Weitere 300 Mio. Euro fließen unter anderem in den Transport und die Speicherung von Wasserstoff. Der Versorger erhält millionenschwere Fördergelder über das Programm IPCEI. Ziel ist die Produktion von 1 Mrd. kWh Wasserstoff für die Industrie und den Schwerlastverkehr ab dem Jahr 2028.
Wasserstoff bleibt "zentraler Baustein"
Neben EWE plant auch das norwegische Staatsunternehmen Statkraft einen großen Elektrolyseur in Emden - mit einer etwas kleineren Leistung von 200 MW. Das Unternehmen hatte aber "wegen der Unsicherheiten beim Markthochlauf" kürzlich die Reißleine gezogen. Alle grünen Wasserstoffprojekte sind gestoppt, für Emden sucht Statkraft Investoren. "Wir nehmen die Entscheidung von Statkraft zur Kenntnis. Sie verdeutlicht einmal mehr, wie herausfordernd die aktuellen Rahmenbedingungen für Investitionen in grüne Wasserstoffprojekte sind", so eine Unternehmenssprecherin gegenüber energate.
Für EWE bleibe grüner Wasserstoff dennoch "ein zentraler Baustein" für die Dekarbonisierung der Industrie und eine zukunftssichere Energieversorgung. Auf die Frage, ob EWE als Käufer infrage kommt, antwortete die EWE-Sprecherin folgendermaßen: "Der Fokus liegt klar auf der erfolgreichen Umsetzung der laufenden Projekte. Darüber hinaus prüfen und entwickeln wir weitere Erzeugungsvorhaben." Dabei handele es sich um sorgfältige Bewertungen möglicher Optionen - ohne dass daraus bereits konkrete Entscheidungen oder Engagements abgeleitet werden.
Hoffnung auf neue Wirtschaftsministerin
Der EWE-Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler stellte anlässlich der Bestellung der drei Verdichter nochmals die Forderung, die Hürden bei der Wasserstoffproduktion abzusenken. Die aktuellen EU-Vorgaben verlangen, dass nur neue Erneuerbaren-Anlagen, nicht aber Bestandsanlagen Ökostrom für Elektrolyseure liefern dürfen. "Gerade in Regionen wie Emden mit jährlich rund 500.000 Megawattstunden abgeregeltem Windstrom ist das nicht nur ineffizient, sondern auch volkswirtschaftlich fragwürdig", kritisierte Dohler. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), ehemalige Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates, kennt das Problem nur zu gut. Ob sie für eine Reform in Brüssel eine Mehrheit organisieren kann, bleibt indes abzuwarten. /mt