Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

EWE-Chef Dohler will mehr Koordination bei Energiepolitik

Essen (energate) - In der Energiepolitik ist aus Sicht von EWE‑Vorstandschef Stefan Dohler vor allem eines notwendig: Entscheidungen. Viele zentrale Fragen - von der EEG‑Nachfolge über die Synchronisierung von Netzausbau und Systemumbau bis zur Sicherung der Gasversorgung - seien umfangreich analysiert, aber nicht gelöst. Die richtigen Bausteine seien benannt. "Jetzt muss etwas passieren", sagte Dohler im Interview mit energate. Noch vor dem Sommer müssten zentrale Weichenstellungen erfolgen, sonst drohe ein weiteres verlorenes Jahr.

 

Kritisch sieht der EWE‑Vorstandsvorsitzende die fehlende Synchronisierung von Netzausbau und Systemumbau. Während im AgNes‑Prozess über Baukostenzuschüsse oder Einspeiseentgelte für erneuerbare Energien diskutiert werde, bereite das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) parallel ein Netzanschlusspaket mit ähnlichen Ansätzen vor. So will Ministerin Katherina Reiche (CDU) Verteilnetzbetreibern bei knappen Kapazitäten mehr Freiheiten einräumen und neue Erneuerbare-Energie-Anlagen unter einen Redispatch-Vorbehalt stellen. Um den Ausbau der Erneuerbaren, wie im Netzpaket gefordert, besser zu steuern, verweist Dohler dagegen auf das bestehende Referenzertragsmodell. Das könne bereits Differenzierungen nach Netzengpässen abbilden und so den Ausbau leiten, auch wenn es bisher nur auf die Windenergie beschränkt sei. "Ich könnte Standorten mit Netzengpässen einen anderen Korrekturfaktor zuweisen als Standorten, an denen ich keine Netzengpässe habe", erläuterte Dohler.

 

Wer koordiniert das Ganze?

 

Zu den obersten politischen Prioritäten zählt Dohler nach der Kapazitätssicherung eine zügige Reform des EEG - eng verzahnt mit dem Netzausbau. Auch in der Wärme, bei der Neugestaltung eines Gebäudemodernisierungsgesetzes, bräuchten Kommunen und die Industrie endlich Orientierung. Bei allen Einzelbausteinen dürfe nicht vergessen werden, dass alles auf dasselbe System wirke. "Was mir fehlt, ist eine systemische Lösung. Wer koordiniert das Ganze, damit es optimal zusammenklickt", so Dohler. Die Rolle des BMWE als strategische Klammer bleibe entscheidend, aber die Bundesregierung sollte stärker das Gesamtoptimum im Auge behalten und eine klare Antwort geben, worauf hin optimiert werden soll.

 

Deutlich positioniert sich Dohler zudem in der Gasspeicherfrage. Das bestehende System der Speicherfüllstandsvorgaben habe versagt. Als schnelle Lösung schlägt er eine staatliche strategische Gasreserve vor: 50 bis 80 TWh könnten bei der Reprivatisierung von Uniper und Sefe in öffentlicher Hand verbleiben. Damit würde der Staat knapp ein Drittel der deutschen Speicherkapazität kontrollieren - als Krisenpuffer, während der restliche Markt wieder frei funktioniere. "Ein simples Modell, das schnell umsetzbar ist", betonte Dohler.

 

Unklarheiten beim Wasserstoffhochlauf

 

Im Wasserstoffhochlauf sieht sich EWE mit Projekten wie "Clean Hydrogen Coastline" auf Kurs, warnt aber vor unklaren Rahmenbedingungen. Strombezugskriterien für erneuerbare Kraftstoffe nicht biologischen Ursprungs (RFNBOs), Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure und fehlende Abnahmesicherheit bremsten neue Investitionen. Vorschläge wie eine Grüngasquote hält er für irreführend: "Das suggeriert, wir bleiben in der Gaswelt." Stattdessen brauche es gezielte Anreize und Risikoteilung - etwa über ein Midstreamer‑Modell, wie es der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) vorgeschlagen hat. Unterm Strich fordert Dohler vor allem Beschleunigung: "Mehr ins Tun kommen" - mit klaren Leitlinien und Entscheidungen noch vor dem Sommer. /tc

 

Das vollständige Interview mit Stefan Dohler lesen Sie im Add-on Markt & Industrie.

Zurück