Europäische Elektrolyseure haben das Nachsehen
Hamburg (energate) - Nach dem Stellenabbau läuft die Elektrolyseurfertigung von Quest One in Hamburg nach wie vor mit angezogener Handbremse. Grund sind ausbleibende oder geplatzte Großaufträge wie der des 53-MW-Elektrolyseurs für Saarstahl. "Dass ein IPCEI-Projekt, welches einen der wichtigsten Stahlhersteller Deutschlands hätte versorgen sollen, es am Ende nicht geschafft hat, trotz 100 Mio. Euro Förderung sich kommerziell zu rechnen, ist traurig", kritisierte Nima Pegemanyfar, "EVP Customer Operations" beim Elektrolyseurhersteller, im energate-Interview. Die Konsequenz könnte sein, dass an einem benachbarten französischen Standort ein chinesischer Hersteller zum Zuge kommt. "Alarmierend" in seinen Augen angesichts der Tatsache, dass die für die Region geplante deutsch-französische Wasserstoffpipeline namens "MosaHYc" von deutschen Steuergeldern mitbezahlt wird.
Leitmärkte fehlen
Knackpunkt ist in den Augen des Quest-One-Managers, dass bei Ausschreibungen keine Vorgaben zum Einsatz heimischer oder zumindest europäischer Elektrolyseure gemacht werden - Stichwort Leitmärkte. Dies würde nicht nur der eigenen Produktion in Hamburg helfen, betonte Pegemanyfar, sondern auch einer Siemens in Berlin oder einer britischen ITM, die ebenfalls stark in Vorleistung gegangen sind. Im September 2024 hatte die neu firmierte Quest One, eine Tochter der MAN Energy Solutions, die ihrerseits zur VW-Gruppe gehört, die Produktion im Beisein des damaligen Kanzlers Olaf Scholz (SPD) feierlich eröffnet. Nur vier Monate später musste das in Augsburg ansässige Unternehmen 120 Arbeitsplätze abbauen, zum Teil im "Gigahub" getauften Hamburger Werk sowie am Stammsitz in Bayern.
Auch mit verkleinerter Mannschaft wäre aktuell eine Produktion von bis zu 1 GW Elektrolyse-Stacks theoretisch möglich. Praktisch ist das Unternehmen davon heute weit entfernt. Das Werk läuft nur im Einschichtbetrieb, das immerhin ohne Kurzarbeit, wie Pegemanyfar berichtete. Kleinere Projekte entstehen zwar quer durch die Republik, unter anderen für die Betankung von Wasserstoffbussen, oder beispielsweise in der Schweiz. Aber die großen Fische fehlen.
50- bis 100-MW-Projekte erwünscht
Von einem Großauftrag spricht Quest One, wenn mindestens ein 10-MW-Block bestellt wird - idealerweise aber eher fünf bis zehn. "Darauf arbeiten wir hin, wobei natürlich größere Projekte ebenfalls willkommen sind", so Pegemanyfar. Ein ganz großer Fisch wäre der Yanbu Hub in Saudi-Arabien mit 4,5 GW, der grünes Ammoniak für das deutsche Kernnetz liefern soll. "Da keine Vorgaben zur lokalen Wertschöpfung vom deutschen Staat kommen, hören wir im Markt, dass dies aktuell mit 100 Prozent chinesischer Elektrolyse geplant ist", klagt der Manager. Und das, obwohl der Konzern EnBW beteiligt ist. 4,5 GW wären ausreichend, um die gesamte europäische Elektrolysebranche durch das "Tal der Tränen" zu bringen, ordnete er ein. Zum Vergleich: Laut einer aktuellen Erhebung des Ewi steht Deutschland bisher erst bei einer Elektrolyseleistung von 181 MW, weitere 1,3 GW mit Investitionsentscheidung sind in der Pipeline. Damit ist die von der Politik gewünschte Zielmarke von 10 GW bis 2030 in sehr weiter Ferne.
Neben fehlenden Vorgaben in den Ausschreibungen sind die europäischen Regularien zur grünen Wasserstoffproduktion das zweite große Problem. Wie auch viele andere Marktteilnehmer beklagt Quest One, dass die EU-Kommission zusätzliche Ökostromanlagen für den Betrieb der Elektrolyseure verlangt. In China würde keiner auf die Idee kommen, zunächst die eigene Infrastruktur komplett mit Grünstrom versorgen zu müssen, bevor ein einziges Kilowatt an Grünstrom für die Elektrolyse genutzt werden darf, so Pegemanyfar. /mt
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