Erste großvolumige Speicherung von Wasserstoff gelungen
Wien (energate) - Österreich ist eine internationale Pionierleistung gelungen: Der Gasspeicherbetreiber RAG Austria hat in der unterirdischen Speicheranlage Rubensdorf erstmals Wasserstoff im großen Maßstab und unter realen Bedingungen gespeichert und erfolgreich entnommen. An dem Projekt war ein breit aufgestelltes Konsortium aus Gaswirtschaft, Schwerindustrie und Forschung beteiligt. Zwei Speicherzyklen hat die RAG erfolgreich durchgeführt - einen mit 75.000, den zweiten mit rund 500.000 Kubikmetern Wasserstoff.
Nachweis der Skalierung erbracht
Im Interview mit energate erklärte Stephan Bauer, Leiter des Bereichs Grüne Gase: "Die Ergebnisse dieser Speicherzyklen stimmen uns sehr, sehr zuversichtlich. Wir haben jetzt die Bestätigung, dass die geologische Speicherung von Wasserstoff funktioniert. Die technische Machbarkeit ist gegeben." Damit sei die Technologie bereit zur Skalierung. Die RAG Austria betreibt große Gasspeicher in ausgeförderten Erdgaslagerstätten im Porengestein.
Die großvolumige Speicherung von Wasserstoff gilt als zentraler Baustein, um Strom aus Erneuerbaren saisonal speichern zu können. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Erdgasspeichern: Im Sommer erzeugter grüner Wasserstoff wird in die Lagerstätte eingebracht und im Winter bei Bedarf entnommen. Die verwendeten Bauteile, Prozesse und Verfahrensschritte sind mit jenen von klassischen Gasspeichern vergleichbar.
Keine Nebenwirkungen in der Tiefe
"Spannend war für uns, die Bestätigung zu bekommen, dass der Wasserstoff in der Lagerstätte keine ungewollten Reaktionen hervorruft und dass die Wasserstoffqualität beim Entnehmen den Anforderungen entspricht. Beides konnten wir bestätigen", so Bauer. Zuvor habe es Laboruntersuchungen und Modellierungen gegeben, dies seien die ersten Ergebnisse unter realen Bedingungen. Bei der Qualität erreichte der ausgespeicherte Wasserstoff eine Reinheit von 98 Prozent, wie sie der österreichische Fachverband ÖVGW für die Einspeisung in eine Wasserstoffleitung vorschreibt. Es seien auch noch höhere Reinheiten technisch machbar, so Bauer.
Damit ist klar: Die Technologie ist einsatzbereit - und skalierbar. Die ausgespeicherten 500.000 Kubikmeter seien "in der Wasserstoffwelt eine beachtliche Größenordnung", so Bauer. Das sei jedoch auch auf die größten Erdgaslagerstätten der RAG anwendbar - diese haben ein Volumen von 2,8 Mrd. Kubikmetern.
Erstmals Angaben zu Investitionskosten und Speicherkosten
Erstmals nannte Bauer gegenüber energate auch Zahlen zu den erforderlichen Investitionen. Demnach liegen die Investitionskosten für einen geologischen Wasserstoffspeicher bei 600 bis 700 Euro pro gespeicherter Megawattstunde. Daraus ergibt sich ein Speichertarif von etwa 30 bis 40 Euro/MWh. Dieser Preis deckt Anlagenbau, Betrieb, Verdichtung und Trocknung und das erforderliche Kissengas.
Eine Umrechnung auf den Kilopreis sei nicht direkt möglich, so Bauer. Wie auch bei Erdgas werde nur etwa ein Fünftel des gesamten Wasserstoffabsatzes über Speicher laufen. "Man kann also nicht einfach 30 oder 40 Euro auf jede Megawattstunde Wasserstoff aufschlagen, weil der Gesamtmarkt den Speichertarif für die Versorgungssicherheit auch über die nicht durch Speicher laufenden MWh mittragen wird." Für erste Marktabschätzungen sei das trotzdem ein hilfreicher Orientierungswert, so Bauer. Eine Megawattstunde entspricht auf Basis des Brennwertes etwa 25 Kilogramm Wasserstoff.
Den nächsten Schritt tätigt das Unternehmen nun gemeinsam mit österreichischen Partnern wie der AGGM und der Linz AG sowie Partnern aus den Niederlanden, Spanien und Ungarn. Einer der Beteiligten ist der Energiekonzern Shell. Bei diesem Projekt namens "EUH2Stars" sollen nun vier weitere Speicherzyklen stattfinden. Parallel dazu plant man zwei weitere Großprojekte: den Neubau eines Wasserstoffspeichers und die Umrüstung einer bestehenden Lagerstätte. Ziel ist es, beide Projekte bis zur Investitionsreife zu bringen.
Der Bedarf nach dieser Dienstleistung werde hoch sein, so Stephan Bauer: "Ohne Speicher keine Versorgungssicherheit - und ohne Versorgungssicherheit kein Markt." Das Interview ist in voller Länge in unserem Add-on Österreich abrufbar. /pm