Energieversorgung Limburg will nach Fusion in ruhige Fahrwasser
Limburg (energate) - Hinter der Energieversorgung Limburg aus Hessen liegen zwei turbulente Jahre. Denn der Versorger hat nicht nur ein neues SAP-System eingeführt, sondern sich 2025 auch mit den benachbarten Stadtwerken Diez zusammengeschlossen. "Wichtig ist, dass wir jetzt wieder Ruhe in die Organisation bekommen", sagte Martin Ertl, Geschäftsführer der Energieversorgung Limburg, im energate-Interview. Aktuell bringt die Fusion aber noch einige To-dos mit sich und wird "uns auch noch weiter beschäftigen", so Ertl. Auch wenn notwendige Prozesse rund um den Zusammenschluss schon weit fortgeschritten sind, wird sich die Integration "voraussichtlich bis ins Jahr 2027 hinziehen", rechnet der Geschäftsführer.
Als Beispiel nannte Ertl im Gespräch mit energate etwa die langfristigen Gasbezugsverträge der Stadtwerke Diez, die noch bis zum Jahresende laufen. Ein weiteres "herausforderndes Thema" sei das Übereinanderlegen der Daten. Denn die "Daten der Stadtwerke Diez sind anders strukturiert als unsere, teilweise auch qualitativ unterschiedlich", gab Ertl einen Einblick. Da sei noch viel Aufräumarbeit zu leisten, insbesondere weil er davon ausgeht, dass das Wirken des Energieversorgers mit nunmehr 135 Mitarbeitenden künftig zunehmend datengetrieben sein wird.
Fusionen bringen Fallstricke mit sich
Weitere Fusionen unter Deutschlands Kommunalversorgern schließt der Stadtwerke-Geschäftsführer zwar nicht aus, schließlich böten sich solche Zusammenschlüsse angesichts der gegenwärtigen Marktbedingungen an: "Alle Energieversorger blicken gerade nach links und rechts." Allerdings gebe es eben auch immer einige Fallstricke. Problematisch könne im Falle einer solchen Fusion etwa die steigende Anzahl von Gesellschaftern werden, gab Ertl zu bedenken. Um konstruktiv zusammenarbeiten zu können, sei es zum Teil erforderlich, das "noch vorhandene Kirchturmdenken" aufzugeben, so Ertl. Die Energieversorgung Limburg hat aktuell vier Gesellschafter. Die erste gemeinsame Aufsichtsratssitzung nach dem Zusammenschluss im Oktober 2025 beschreibt Ertl als "sehr harmonisch". Trotzdem müsse das gegenseitige Vertrauen noch wachsen. An der Stelle helfe aus seiner Sicht vor allem eine transparente Kommunikation in Form von regelmäßigen Jour fixen und Gesprächen.
Herausforderung in der Wärmeversorgung
Als große Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte hat - wie viele andere Stadtwerke derzeit - auch die Energieversorgung Limburg die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung vor der Brust. Gerade in der Altstadt Limburgs mit vielen denkmalgeschützten Häuser und engen Gassen wird das nicht einfach. "Hier ein Wärmenetz zu verlegen, ist sehr schwierig, aber nicht unmöglich", sagte Ertl. Wärmepumpen seien jedenfalls aufgrund des Platzmangels dort keine Option. Die Energieversorgung Limburg betreibt auf dem Stadtgebiet schon jetzt mehrere kleine Nahwärmenetze. Dass daraus mal ein großes Fernwärmenetz wird, bezweifelt Geschäftsführer Ertl allerdings. Denn es biete sich nicht an, diese miteinander zu verknüpfen.
Potenziale für Fernwärme unklar
Zwar sieht die kommunale Wärmeplanung für Limburg, die seit Oktober 2025 vorliegt, weitere Fernwärmeausbaugebiete vor. Ertl bleibt aber skeptisch, dass diese in dieser Form kommen, insbesondere "aufgrund der hohen Kosten für die leitungsgebundene Wärme". Zumal auch die Frage nach grünen Wärmequellen noch nicht abschließend beantwortet ist. Es gibt wohl einige Unternehmen, bei denen sich Abwärme auskoppeln lässt, die genauen Potenziale sind aber unklar. "Das analysieren wir derzeit", so Ertl. Auch Erdwärme könnte eine Option sein. Zumindest in einem entstehenden Neubaugebiet mit 720 Wohneinheiten ist es eine Möglichkeit, welche der kommunale Versorger gerade durchrechnet. "Bei mehrgeschossigen Häusern tendiere ich nach Möglichkeit zu zentralen Wärmepumpen mit oberflächennaher Geothermie." Denn daran könnten sich im Rahmen eines kalten Nahwärmenetzes gegebenenfalls auch Einfamilienhäuser anschließen lassen, führte Ertl weiter aus. Ob diese Art der Wärmeversorgung wirklich wirtschaftlich umsetzbar ist, ist aber zum jetzigen Stand noch fraglich.
Investitionen auch in Grünstrom
Investieren will die Energieversorgung Limburg aber nicht nur in grüne Wärme, sondern auch in Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung. Geplant ist unter anderem eine PV-Anlage entlang der örtlichen Autobahn, zusammen mit einem Speicher. Wie groß die Anlage werden soll, steht noch nicht fest, die Investition selbst ist laut Ertl für das Jahr 2027 vorgesehen. Bislang betreibt das hessische Unternehmen im Erneuerbarenbereich zwei kleine Wasserkraftwerke an der Lahn und einige kleinere PV-Anlagen. /ml/sd
Das gesamte Interview mit Martin Ertl, Geschäftsführer der Energieversorgung Limburg, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des energate-Magazins emw, die am 03. Februar erschienen ist.