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Energie aus Holz bleibt in Berlin umstritten

Berlin (energate) - Berlin will seine Wärme bis 2045 klimaneutral erzeugen. Seit kurzem liegt dazu der Entwurf für die Kommunale Wärmeplanung vor. Christian Feuerherd, Chef der BEW Berliner Energie und Wärme ist sich sicher, auch den Kohleausstieg 2030 erreichen zu können - allerdings mit einem umstrittenen Holzheizkraftwerk am Standort Reuter West. "Wir haben ein belastbares Portfolio, mit dem wir den Kohleausstieg 2030 und die Erneuerbaren-Quote von 30 Prozent nach Wärmeplanungsgesetz und perspektivisch sogar 40 Prozent nach Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz technisch erreichen können", sagte Feuerherd im Interview mit energate. Die Herausforderung liege in der Bezahlbarkeit.

 

Bei der Finanzierung sieht Feuerherd sein Unternehmen auf einem guten Kurs. Die finanzielle Unterstützung des Landes Berlin stärke die Bonität und senke die Finanzierungskosten. "Wir erwarten zeitnah ein gutes Rating von Moody’s, das uns den Zugang zum Kapitalmarkt öffnet und uns hilft, gezielter und wettbewerbsfähiger Fremdkapital am Markt zu besorgen", sagte Feuerherd. Dies sei auch ein wichtiger Beitrag zur Bezahlbarkeit für die Berlinerinnen und Berliner, die das über die Wärmepreise merken würden.

 

Fernwärmeanteil 50 Prozent bis 2045

 

Das Land Berlin hatte 2024 das Fernwärmegeschäft von Vattenfall in der Hauptstadt für rund 1,4 Mrd. Euro übernommen. Seitdem betreibt die landeseigene BEW das rund 2.000 Kilometer lange Fernwärmenetz der Stadt. "Unser Ziel ist es, den Fernwärmeanteil von heute 32 auf bis zu 50 Prozent bis 2045 zu steigern", so Feuerherd im Interview. Auf einen Anschlusszwang möchte er dabei aber verzichten. "Wir setzen auf attraktive Angebote und kluge Förderinstrumente, etwa auch über die Verlängerung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG), in dem auch die Förderung des Netzausbaus angelegt ist", so Feuerherd. Darüber müssten die Fernwärmeanschlüsse bezahlbar bleiben - denkbar seien auch zinsfreie Darlehen für "Fernwärme-ready"-Anschlüsse.

 

Noch wird rund die Hälfte der Berliner Haushalte mit Gas beheizt, beispielsweise über Gasetagenheizungen in Altbauten. Auch der Anteil fossiler Energie in bei der Berliner Fernwärme ist weiterhin hoch. Laut Entwurf der Kommunalen Wärmeplanung sollen künftig u.a. Abwärme, Abwasserwärme, Biomasse, Geothermie, Solarthermie und Wärmepumpen die Wärme liefern. Feuerherd setzt an den Kraftwerksstandorten Reuter West und Charlottenburg künftig auf Power-to-Heat-Anlagen, Wärmespeicher, Großwärmepumpen sowie neue Turbinen und Anlagen zur Abwärmenutzung. "In Charlottenburg entstehen zusätzlich drei Gasturbinen und Heißwassererzeuger - alle Wasserstoff-ready", sagte er. Auch die Abwärme von Rechenzentren seien eine große Chance.

 

Streitthema Holzverbrennung

 

Die BEW plant in Reuter West auch eine Altholzanlage. Dies kritisieren die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus: "Die Errichtung eines großen Holzheizkraftwerks am Standort Reuter West ist ein energiepolitischer Irrweg. Die Energiekosten bei der Fernwärme werden dadurch massiv steigen", erklärten der Fraktionsvorsitzende Werner Graf und Stefan Taschner, klimapolitischer Sprecher. Die Verbrennung von Holz schade dem Klima und werde die Heizkosten deutlich verteuern. Hamburg habe bereits reagiert und den Bau eines Holzheizkraftwerks abgesagt.

 

BEW-Chef Feuerherd hält dagegen: "Schon eine Machbarkeitsstudie, die wir im Jahr 2019 gemeinsam mit dem Land Berlin durchgeführt haben, hat klar gezeigt: Wir brauchen - für die resiliente Wärmeversorgung - eine Biomasseanlage", sagte er. Diese trage dazu bei, 700.000 Tonnen Kohle zu ersetzen. "Außerdem können wir mit ihr zusätzlich den Gaseinsatz zurückdrängen", so Feuerherd. Studien würden keine Knappheit von Biomasse zeigen, sondern dass sie zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sei.

 

Ob auch am Standort Klingenberg das geplante Biomasse-Heizkraftwerk entstehen wird, ist jedoch noch ungewiss. Feuerherd berichtet aus dem Dekarbonisierungsdialog, wonach darüber kontrovers diskutiert worden sei. "Wir prüfen derzeit Alternativen sehr sorgfältig und wollen Entscheidungen nicht vorschnell treffen", so Feuerherd. Mit dem Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern unter anderem von Umweltverbänden, Immobilienwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft begleitet die BEW die vorgezogene Aktualisierung des Dekarbonisierungsfahrplans aus dem Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz. /ck

 

Lesen Sie das vollständige Interview mit BEW-Chef Feuerherd im Add-on Gas & Wärme

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