Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Einige Nudges zum Energiesparen kontraproduktiv

Mannheim/Paderborn/Amsterdam (energate) - Einige verhaltensökonomische Impulse zum Energiesparen können zum Gegenteil führen. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des ZEW Mannheim sowie der Universitäten aus Paderborn und Amsterdam. Das Forschungsteam untersuchte während der Energiekrise, ob sogenannte Nudges, kleine verhaltensökonomische Impulse, private Haushalte zu mehr Einsparungen beim Gasverbrauch bewegen. Die Forscher testeten dazu zwischen Oktober 2022 und März 2023 in einem Feldexperiment mit rund 2.600 Haushalten zwei Instrumente: zum einen soziale Vergleiche der eigenen Einsparungen im Verhältnis zum Durchschnitt der Gruppe und zum anderen Erinnerungsschreiben an geplante Sparmaßnahmen. Das Forscherteam kooperierte dabei mit einem großen deutschen Energieversorger.

 

Dabei kam laut dem Forscherteam heraus, dass soziale Vergleiche und schriftliche Erinnerungen an geplante Sparmaßnahmen die individuelle Sparanstrengung in Hochpreisphasen zwar grundsätzlich stützen können, es sich aber klare Einschränkungen zeigen. Teilweise könnten diese Nudges sogar zu gegenteiligen Effekten führen. Besonders auffällig sei der sogenannte "Bumerang-Effekt". Haushalte, die eine Rückmeldung erhielten, dass sie im Vergleich zu anderen überdurchschnittlich viel Gas einsparen, reduzierten in der Folge ihre Bemühungen. Umgekehrt motivierte die Information, weniger als andere einzusparen, die Teilnehmenden nicht vollumfänglich zu höheren Einsparungen. Damit zeigt die Studie laut dem Team, dass selbst unter den Bedingungen einer akuten Energiekrise soziale Vergleichsinformationen auch kontraproduktiv sein können.

 

Wenig Wirkung durch Erinnerungsschreiben

 

Auch Erinnerungsschreiben an geplante Energiesparmaßnahmen erzielten laut der Studie nur geringe Effekte. Zwar ließen sich in alternativen Berechnungen Einsparungen von rund einem Prozentpunkt feststellen, statistisch robust seien diese Ergebnisse jedoch nicht. Zudem zeigten begleitende Befragungen, dass viele Haushalte ihre eigenen Sparmöglichkeiten überschätzten oder geplante Investitionen, etwa in Dämmung oder wassersparende Duschköpfe, nicht umsetzten. Die Diskrepanz zwischen Absicht und Handeln bleibe bestehen.

 

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Haushalte während extremer Preisspitzen ohnehin stark sparen. Zusätzliche Nudges entfalten nur dann eine Wirkung, wenn sie gezielt abgestimmt werden. Sie sollten jedoch nicht als 'One size fits all'-Baustein missverstanden werden", sagte Martin Kesternich, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Paderborn und Research Associate im ZEW-Forschungsbereich Umwelt- und Klimaökonomik. Bei Vergleichsfeedbacks erscheine es ratsam, die Referenzgruppe individuell abzustimmen, um einem möglichen Bumerang-Effekt entgegenzuwirken, heißt es in der Studie. /kij

 

Die Studie können Sie hier herunterladen.

Zurück