Direktvermarktung: Und die Gewinner sind?
Aachen (energate) - Erstmals seit Jahren gab es im Spitzenfeld der Direktvermarkter in diesem Jahr keine Verschiebungen. Die sieben größten deutschen Direktvermarkter von Anfang 2025 konnten auch in diesem Jahr ihre Platzierung halten, zeigt eine aktuelle Direktvermarktungsumfrage von energate. Trotzdem gibt es Bewegung im Markt, dafür sorgen vor allem Newcomer.
Die Total-Energies-Tochter Quadra Energy konnte trotz leichten Verlusten gegenüber dem Vorjahr und mit einem Direktvermarktungsvolumen von 10.100 MW Platz 1 halten. Zweitplatzierter EnBW legte hingegen um rund 6 Prozent zu auf 9.900 MW.
Next Kraftwerke weiter auf Platz 3
Mit einem Minus von 455 MW (-5 %) ist Next Kraftwerke das Unternehmen mit den zweithöchsten absoluten Verlusten gegenüber dem Vorjahr. Grund für den Rückgang war insbesondere der Photovoltaikbereich. Höher waren die Verluste lediglich bei ECTP (ehem. Trailstone Group), hier sank das Volumen von 3.500 auf 3.000 MW. Trotzdem konnte Next Kraftwerke sich mit einem Portfolio von 8.020 MW weiter auf Platz 3 behaupten. Auch die Übernahme durch Shell im Jahr 2021 scheint dem Unternehmen nicht zu schaden. Im Gegenteil: Seitdem legte das Volumen um 9 Prozent zu, wie der energate-Fünfjahresvergleich zeigt. Und das, obwohl einige Mitarbeiter im Zuge der Übernahme das Unternehmen verließen und eigene Direktvermarkter aufbauten.
Die in der Folge entstandenen Start-ups kommen mittlerweile ebenfalls auf beachtliche Zahlen. So steigerte die inzwischen vom US-Hedgefonds Citadel übernommene Flexpower ihr Volumen um satte 40 Prozent auf 2.100 MW. Und das Direktvermarktungsportfolio bei der vom ehemaligen Next-Kraftwerke-Mitarbeiter Johannes Päffgen gegründeten Impuls Energy lag zu Jahresbeginn bei 2.959 MW. Das Unternehmen beteiligte sich erstmals an der Direktvermarktungsumfrage. Dies gilt auch für Iqony, die erst seit 2025 Direktvermarktung für Dritte anbietet.
RWE startet durch
Auf höhere Zugewinne als Flexpower kommen lediglich Danske Commodities und RWE. Die weiterhin auf Platz 5 befindliche Danske Commodities erreichte ein Plus von 550 MW, relativ gesehen entspricht dies jedoch "nur" einem Zugewinn von 9 Prozent. Im Fünfjahresvergleich legte das Unternehmen allerdings sogar um 78 Prozent zu.
Sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen gesehen ist die große Gewinnerin jedoch die RWE AG. Ihr Direktvermarktungsportfolio legte um 60 Prozent auf 4.943 MW zu. Damit schaffte das Unternehmen gleichsam den Sprung von Platz 13 auf Platz 9 im Ranking. Und im Fünfjahresvergleich verdreifachte das Unternehmen sogar sein Portfolio.
Im Fünfjahresvergleich die höchsten Verluste hinnehmen musste hingegen der ehemalige langjährige Branchenprimus Statkraft. Sein Portfolio sank in den letzten fünf Jahren um über 4.200 MW oder 38 Prozent. Möglicherweise hat das Unternehmen aber mittlerweile das Tal durchschritten: Im Jahresvergleich legte das Volumen erstmals wieder leicht auf nunmehr 6.800 MW zu. Damit befindet sich Statkraft weiter auf Platz 4, gefolgt von der schon erwähnten Danske Commodities sowie ebenfalls wie im Vorjahr MVV Energie (5.500 MW) und Gewi (5.300 MW).
Solar und Speicher gewinnen, Windkraft verliert
Zwar machten vier der an der Umfrage beteiligten Unternehmen keine Angaben, auf welche Erzeugungsarten sich ihr Portfolio aufteilt - darunter der Branchenriese Danske Commodities. Trotzdem ergibt sich ein klares Bild: Solar und Speicher gewinnen, Windkraft verliert.
Das von den Antwortgebenden vermarktete Windkraftportfolio sank um 17 Prozent auf 43.942 MW. Größte Vermarkter sind hier Quadra Energy (7.800 MW), Statkraft (5.370 MW), Gewi (4.730 MW), MVV Energie (4.600 MW), Vattenfall (4.223 MW) und Engie (4.140 MW). Dabei entwickelte sich das Portfolio dieser fünf größten Windkraftvermarkter stark unterschiedlich. Während Quadra Energy, Gewi und Engie deutliche Verluste verzeichneten, legte Vattenfall in diesem Bereich zu. Allerdings: Verluste in diesem Bereich müssen kein schlechtes Zeichen sein, teilweise wechseln die entsprechenden Anlagen lediglich die Vermarktungsform. So erklärte Engie gegenüber energate, im Gegenzug habe es die Segmente PPA sowie Corporate PPA ausgebaut, also mehr langfristige Lieferverträge geschlossen.
Next schrumpft Solarportfolio, EnBW und Baywa Re bauen aus
Wegen des Solarzubaus einerseits, aber auch der Einbeziehung kleinerer Anlagen andererseits stieg hingegen das Solarportfolio um 27 Prozent. Größte Direktvermarkter sind hier nahezu gleichauf Next Kraftwerke und EnBW mit einem Portfolio von jeweils 5.800 MW Solarenergie. Beide Unternehmen verzeichneten jedoch eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Das Solarportfolio von Next Kraftwerke schrumpfte um 12 Prozent. Grund dafür waren nach Angaben des Unternehmens strategische Überlegungen. "Als großer PV-Vermarkter streben wir ein ausgewogenes Portfolio zwischen volatilen und flexiblen Anlagen an, um Vermarktungsrisiken zu minimieren", hieß es zur Begründung. Entsprechend setze das Unternehmen vermehrt auf gut regelbare Photovoltaikanlagen sowie auf Speicher.
Derweil legte das Solarportfolio der EnBW um 23 Prozent zu. Noch eine höhere Steigerungsrate hat Baywa Re vorzuweisen: Das Volumen im Solarbereich stieg um 41 Prozent auf 2.750 MW. Dicht darauf folgt die auf Solarvermarktung spezialisierte ECPT mit 2.425 MW.
Mit Abstand größter Vermarkter von Speichern ist RWE mit einem Volumen von 426 MW. Auch im kommenden Jahr wolle man die Vermarktung von Batterien weiter vorantreiben, hieß es vom Unternehmen. Auch viele andere Unternehmen wie Statkraft und die Rheinenergie sehen eine wachsende Bedeutung der Batteriespeichervermarktung, zum Teil auch im Zusammenhang mit PPAs. Ein Batterieportfolio zwischen 100 und 200 MW haben ECTP, Next Kraftwerke, EnBW, Quadra Energy, Vattenfall sowie Flexpower, wobei bei Vattenfall noch Pumpspeicher von 135 MW hinzukommen. Größte Vermarkter im Bereich der Bioenergie sind unverändert Energy2Market mit 1.654 MW und Next Kraftwerke mit 1.530 MW. /sd
Welche Erwartungen die Branche für das neue Jahr hat, erfahren Sie im Strom-Add-on.
| Name | MW | ggü. 2025 | |
|---|---|---|---|
| 1 | Quadra Energy | 10.100 | -2,9 % |
| 2 | EnBW | 9.900 | +5,9 % |
| 3 | Next Kraftwerke | 8.020 | -5,4 % |
| 4 | Statkraft | 6.800 | +3,0 % |
| 5 | Danske Commodities | 6.400 | +9,4 % |
| 6 | MVV | 5.500 | +/-0 % |
| 7 | Gewi | 5.300 | +/-0 % |
| 8 | Baywa Re | 5.005 | +6,7 % |
| 9 | RWE | 4.943 | +59,5 % |
| 10 | Engie | 4.900 | -7,3 % |
| 11 | Sunnic Lighthouse | 4.800 | n.b. |
| 12 | Vattenfall | 4.460 | +6,8 % |
| 13 | Eon | 3.882 | -7,7 % |
| 14 | EWE | 3.545 | +15,7 % |
| 15 | Centrica | 3.100 | +14,8 % |
| 16 | Energy2Market | 3.085 | +18,4 % |
| 17 | ECTP | 3.000 | -14,3 % |
| 18 | Impuls Energy | 2.956 | n.b. |
| 19 | Trianel | 2.900 | +11,5 % |
| 20 | Stadtwerke München | 2.665 | +10,4 % |
| 21 | Ane Energy | 2.435 | +20,0 % |
| 22 | Flexpower | 2.100 | +40,0 % |
| 23 | Naturstrom | 1.126 | +5,1 % |
| 24 | Enercity | 1.111 | +2,0 % |
| 25 | Iqony | 1.050 | n.b. |
| 26 | Südweststrom | 1.000 | +3,1 % |
| 27 | Lechwerke | 814 | +1,8 % |
| 28 | Rheinenergie | 470 | +3,5 % |
| 29 | Syneco | 378 | -18,2 % |
| 30 | Lumenaza | 200 | -47,4 % |
| 31 | Westfalen Weser | 180 | n.b. |
Transparenzhinweis: Der Artikel wurde am 12. Januar um Sunnic Lighthouse erweitert. Das Unternehmen belegt mit einem Direktvermarktungsvolumen von 4.800 MW den 11. Platz. Dieses Volumen teilt sich auf 3.300 MW Solar und 1.500 MW Wind auf.