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"Die Reform der THG-Quote kommt zu spät"

München/Berlin (energate) - Die frühere Bundesregierung hat die Novelle der THG-Quote verschleppt. Nun hat das Bundesumweltministerium zwar einen ersten Entwurf zur Überarbeitung der Quote vorgelegt. Der Entwurf kommt aber spät, vielleicht zu spät. Ein baldiges Inkrafttreten ist nicht absehbar. Die ohnehin schon große Unsicherheit am Markt wächst weiter. Dabei ist der Handlungsbedarf offensichtlich. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Betrugsfälle und massive Marktverzerrungen, weil klare gesetzliche Vorgaben fehlten.

 

Ein Gastkommentar von Marc Schubert, Geschäftsführer Elektrovorteil

 

Der aktuelle Zeitplan der Bundesregierung für eine Reform der THG-Quote wirkt wie gesetzgeberischer Aktionismus. Die erste Lesung der Novelle im Bundestag ist erst kurz vor Weihnachten vorgesehen. Zu spät, um das Gesetzgebungsverfahren noch in diesem Jahr abzuschließen. Ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2026 ist faktisch unmöglich. Da die Marktakteure im Regelfall mehrere Monate für die Anpassung an einen neuen Gesetzesrahmen benötigen, droht eine Verzögerung um ein weiteres Jahr.

 

Anhaltende Unsicherheit - mit Folgen für den Markt

 

Es entsteht ein riesiges Zeitfenster der Unsicherheit - mit erheblichen Folgen für den Markt. Für Unternehmen, die im THG-Quotenhandel aktiv sind, bedeutet die Verzögerung vor allem eines: Über einen Zeitraum von möglichweise bis zu zwei Jahren herrscht Unklarheit darüber, welche Quotenhöhe künftig gelten wird. Das erschwert nicht nur die Preisbildung, sondern auch die Vertragsgestaltung und die vorausschauende Mengenplanung erheblich.

 

Das kann sich direkt auf den Marktpreis der THG-Quoten auswirken. Aktuell halten sich viele Player zurück, weil niemand weiß, wie und vor allem wann sich die Regeln verändern. Kurzfristig kann die wachsende Gewissheit, dass der gesetzliche Zeitplan nicht mehr zu halten ist, den Markt negativ beeinflussen. Mittelfristig jedoch ist ein Preisanstieg durchaus möglich, wenn das Gesetz ambitioniert umgesetzt wird.

 

Hoffnung auf Schutz vor Spekulation und Betrug

 

Der aktuelle Entwurf enthält mehrere Maßnahmen, die den Markt langfristig stabilisieren und die Qualität der eingesetzten Quoten deutlich erhöhen könnten. Dazu zählen etwa der Wegfall der Mehrfachanrechnung für fortschrittliche Biokraftstoffe sowie neue Mechanismen zur Betrugsprävention. Ein besonders wichtiger Punkt ist die Einführung einer automatischen Quotenanpassung. Das klingt zunächst technisch, hat aber große Auswirkungen auf den Markt und soll gezielt Manipulationen und spekulative Überhänge verhindern.

 

Die Idee: Wenn in einem Jahr zu viele günstige THG-Quoten im Umlauf sind, etwa weil Mineralölkonzerne sich frühzeitig mit Zertifikaten eingedeckt haben oder weil große Mengen fragwürdiger Herkunft gehandelt wurden, steuert das System gegen. Und zwar, indem im übernächsten Jahr die gesetzlichen Quotenziele automatisch angehoben werden. So steigt die Nachfrage wieder an und der Markt bleibt ausgeglichen.

 

Ohne solche Korrekturmöglichkeiten konnten sich Player aus der Mineralölwirtschaft in den vergangenen Jahren mit billigen Quoten aus fragwürdigen Quellen eindecken. Diese Zertifikate werden nun eingesetzt, um gesetzliche Verpflichtungen mit minimalem Aufwand zu erfüllen - mit gravierenden Folgen: Die Preise im Quotenhandel gerieten unter Druck. Der Markt funktioniert nicht mehr als Anreizsystem für Klimaschutz, sondern wird zunehmend zur spekulativen Abrechnungsplattform.

Noch ist unklar, wie konkret diese Anpassung umgesetzt wird und wie verbindlich sie tatsächlich greift. Klar ist aber: Ohne einen solchen Mechanismus besteht die Gefahr, dass das System anfällig für Marktverzerrungen bleibt und langfristig seine Glaubwürdigkeit verliert.

 

Zügige politische Entscheidung vonnöten

 

Der weitere Verlauf der THG-Quotenpreise hängt maßgeblich davon ab, wie entschlossen und schnell die Politik handelt. Wird das Gesetz zügig beschlossen, ambitioniert ausgestaltet und rechtlich sauber geregelt, steigen die Chancen auf stabile und verlässliche Quotenpreise und damit auf ein Marktumfeld, das echten Klimaschutz auch wirtschaftlich belohnt. Doch aktuell deutet vieles darauf hin, dass nach dem aktuellen Zeitplan eine wirksame Umsetzung der RED III zum 1. Januar 2026 kaum noch realistisch ist.

 

Sollte es bei einem späten oder gar verwässerten Beschluss bleiben, ist nicht mit einer Trendwende, sondern vielmehr mit einem weiteren Jahr stagnierender Preise zu rechnen. Wenn das System seine Steuerungswirkung nicht vollständig verlieren soll, braucht es jetzt ein klares politisches Signal - nicht irgendwann, sondern in den kommenden Wochen. Nur dann lässt sich verhindern, dass 2026 als weiteres verlorenes Jahr in die Geschichte der THG-Quote eingeht.

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