Deutschland wird wieder mehr zur Gas-Drehscheibe
Bonn (energate) - Im Jahr 2025 ist Deutschland wieder stärker zur Gasdrehscheibe geworden. Dies zeigen Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA). Die Gasexporte stiegen von 89 TWh im Jahr 2024 auf 221 TWh im Jahr 2025. Knapp die Hälfte der Exporte - rund 100 TWh - ging nach Österreich. Österreich wird seit dem Wegfall der russischen Transitmengen durch die Ukraine Ende 2024 fast vollständig über Deutschland mit Erdgas versorgt. 2024 hatte Österreich lediglich rund 5 TWh aus Deutschland importiert. Nummer zwei der Exportländer ist Tschechien, in das östliche Nachbarland wurden gemäß den BNetzA-Zahlen rund 58 TWh exportiert, eine Verdopplung gegenüber 2024. Auch diese deutliche Erhöhung ist nach Einschätzung von Händlern in erster Linie dem Wegfall des Transits geschuldet.
Die Abschaffung der Gasspeicherumlage an den Exportpunkten zum 1. Januar 2025 könnte zudem eine Rolle gespielt haben. Vor allem Marktteilnehmer aus Österreich und Tschechien hatten die Belastung der Ausspeisungen aus Deutschland mit der Umlage als Behinderung für den Handel kritisiert. Die Schweiz, Niederlande und Polen beziehen neben den beiden genannten Ländern größere Mengen aus Deutschland. In die Schweiz wurden knapp 30 TWh exportiert und nach Polen rund 14 TWh. Die Exporte in beide Länder haben sich gegenüber 2024 fast verdreifacht. Der Export in die Niederlande sank von 30 auf 17 TWh.
LNG-Umschlag bestimmt deutsche Exporte
Bis zu dem Wegfall der russischen Gasflüsse nach Deutschland war das Land eine wichtige Gasdrehscheibe für Europa. Diese Funktion ging dann verloren. Nun gewinnt diese Funktion wieder eine größere Bedeutung. Basis der deutschen Exporte ist natürlich nicht die fast vernachlässigbare inländische Produktion, die 2025 gemäß BNetzA-Zahlen noch 34 TWh (2024: 36 TWh) betrug. LNG-Mengen aus den nordwesteuropäischen Terminals, inklusive der deutschen Terminals, werden durch Deutschland nach Zentraleuropa, aber auch in die Schweiz transportiert.
Den "Rückblick: Gasversorgung 2025" hat die BNetzA auf der Internetseite der Behörde veröffentlicht. Er enthält neben den Zahlen zur inländischen Produktion und den Im- und Exporten auch Angaben zum Verbrauch und der Speicherbewirtschaftung. Gegenüber dem durchschnittlichen Verbrauch in den Jahren 2018 bis 2021 - also vor Beginn der Gaskrise durch den Wegfall der russischen Mengen - haben Haushalts- und Gewerbekunden 2025 rund 14,6 Prozent weniger Gas verbraucht und Industriekunden 12,7 Prozent weniger. Die Durchschnittstemperatur 2025 entsprach nach den BNetzA-Daten dem Temperaturniveau der Jahre 2018 bis 2021.
Müller: Die Gasversorgung ist stabil
Zur Speichersituation schreibt die Behörde in einer Pressemitteilung anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen, der Füllstand der deutschen Speicher liege aktuell mit 47 Prozent deutlich unter dem Stand des Vorjahres. Dies sei aber vor dem Hintergrund der veränderten Markt- und Flusssituation in einem angemessenen Rahmen. Am 11. Januar hatte der Präsident der BNetzA, Klaus Müller, in einem als privat gekennzeichneten Post auf Linkedin Stoff für die Unterhaltung über Gasspeicher beim Winterspaziergang angeboten. Deutschland verfüge über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten, daraus ergebe sich eine preisgesteuerte Optimierung des Marktes. Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet.
Den Day-Ahead-Preis verortete Müller auf einem Niveau von 28 bis 30 Euro/MWh. Am THE VHP lag der Preis an der EEX am 12. Januar gegen Mittag mit 31,75 Euro/MWh deutlich über diesem Korridor. Am vorherigen Freitag betrug der Settlement-Preis 30,50 Euro/MWh. Die starke Entleerung der Speicher machten die Analysten eines Handelshauses für den Preisanstieg verantwortlich. Nach einer wärmeren Periode könnte es zudem in zwei Wochen schon wieder kälter werden, schreiben sie. /hl