Deutsche sorgen sich wegen Abhängigkeit von Energieimporten
Berlin (energate) - Mehr als zwei Drittel der Bürger wollen mehr Unabhängigkeit von Energieimporten durch einen verstärkten Erneuerbarenausbau. Das geht aus einer Befragung des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar) hervor. Demnach wünschen sich 68 Prozent der Wahlberechtigten, dass die Bundesregierung die Abhängigkeit von Öl- und Erdgasimporten mithilfe eines verstärkten Einsatzes erneuerbarer Energien und Speicher reduziert. Die Abhängigkeit von Energieimporten empfinden laut BSW Solar 78 Prozent der Befragten als bedrohlich oder als eher bedrohlich. Die Befragung fand Ende März statt - die Befragten dürften daher die Fragen im Kontext des Kriegs gegen den Iran und die dadurch gestiegenen Gas- und Ölpreise aufgefasst haben.
Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey im Auftrag des Energiekonzerns Eon. Demnach wollen 80 Prozent der Bürger eine größere Unabhängigkeit Deutschlands von ausländischen Energieimporten. Allerdings wurde diese Frage ohne direkten Zusammenhang zur Energiewende gestellt. Laut Eon gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit liege in der Energiewende. Neun von zehn Befragten sorgten sich um weiter steigende Energiepreise als Folge der militärischen Eskalation in der Golfregion. Gleichzeitig befürchteten 70 Prozent der Befragten Engpässe bei der Versorgung Deutschlands mit Öl und Erdgas.
Bisher wenig Verhaltensänderungen
Allerdings habe mehr als die Hälfte der Befragten angegeben, ihren Energieverbrauch nicht eingeschränkt zu haben, hieß es von Eon. Auch bei anderen Verhaltensänderungen zeigten sich die Deutschen bislang zurückhaltend. Die Bereitschaft, in Folge gestiegener Benzinpreise auf ein Elektroauto umzusteigen, sei zwar leicht angestiegen, verbleibe jedoch noch "auf einem überschaubaren Niveau". Rund ein Fünftel der Fahrer von Verbrennerfahrzeugen denke aktuell verstärkt darüber nach. Ein ähnliches Bild ergebe sich bei Hausbesitzern mit Gas- oder Ölheizung. Weniger als ein Drittel signalisiere eine gestiegene Bereitschaft zum Umstieg auf eine Wärmepumpe. Für die Eon-Studie wurden jeweils 5.000 Bürger ab 18 Jahren, 2.500 Fahrer von PKW ohne Elektro-Antrieb und 2.500 Hausbesitzer, die keine Wärmepumpe nutzen, online befragt. Für die Studie im Auftrag des BSW Solar wurden 2.190 Bürger befragt.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar, warnte, die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums, die Förderung von PV-Anlagen sowie den Netzzugang zu beschneiden, kämen der Wirtschaft "teuer zu stehen". Schon zuvor hatten sich Erneuerbarenverbände gegen die geplante EEG-Novelle sowie das geplante Netzpaket positioniert. Der Erneuerbarenverband BEE veröffentlichte ein Papier mit Gegenvorschlägen. /kij