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Deutliche Mehrheit gegen Kernkraft-Revival

Berlin (energate) - Die Berliner Energietage haben gemeinsam mit energate eine Umfrage unter Energieexpertinnen und Experten zu ihren Erwartungen an den künftigen Koalitionsvertrag durchgeführt. Rund 500 Fachleute haben mitgemacht. Ihr Votum: Schwarz-Rot sollte die Energiewende ambitioniert und zugleich wirtschaftlich tragfähig sowie sozial gerecht umsetzen. Egal ob Kohleausstieg, Erneuerbarenausbau oder Kernkraft-Revival, die Signale der Fachwelt an die Koalitionsverhandler von CDU, CSU und SPD sind deutlich - im Strombereich deutlicher als bei der Wärme.

 

So gaben 73 Prozent der befragten Expertinnen und Experten an, dass die künftige Bundesregierung am ambitionierten Kohleausstiegspfad bis 2030 festhalten sollte. 27 Prozent wünschen sich hingegen eine Rückkehr zum gesetzlich festgelegten Zieljahr 2038. CDU, CSU und SPD streben dem geleakten Ergebnispapier der Arbeitsgruppe Klima und Energie zufolge den Ausstieg bis 2038 an. Allerdings planen sie den Aufbau von 20 GW neuer Kraftwerksleistung bis 2030, um den vorzeitigen Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen absichern zu können.

 

Wiederinbetriebnahme von Reaktoren keine Option

 

Eine Rückkehr zur Kernenergie, wie ihn die Union anstrebt, die SPD aber ablehnt, stößt auf klaren Widerspruch. 86 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Kernenergie im künftigen Energiemix Deutschlands keine Rolle spielen sollte. Nur 14 Prozent sind dafür. Unter den wenigen Befürwortern der Kernkraft sehen die meisten Fusionsreaktoren als Nukleartechnologie der Zukunft. Danach folgt der Neubau herkömmlicher Kernkraftwerke. Die Wiederinbetriebnahme alter Reaktoren ist die am wenigsten beliebte Option.

 

Zudem bleibt die staatliche Förderung für den Ausbau der erneuerbaren Energien nach Ansicht der Expertinnen und Experten auch in der neuen Legislaturperiode weiterhin notwendig (83 %). Im Gegensatz zur Ampel-Koalition streben Union und SPD kein unmittelbares Auslaufen der EEG-Förderung an. Vielmehr schreibt die Arbeitsgruppe Energie in ihrem Ergebnispapier, dass sich die Erneuerbaren perspektivisch am Markt refinanzieren sollten. Bis dahin stehen beim Erneuerbarenausbau mehr Marktorientierung und Netzdienlichkeit im Fokus. Weiterhin erwarten die Expertinnen und Experten aus dem Energiesektor, dass die künftige Bundesregierung Weichen stellt, damit private Investitionen stärker zur Finanzierung der Energienetze herangezogen werden (77 %).

 

Mehrheit gegen Abkehr vom Heizungsgesetz

 

Mehrheitlich befürworten die Befragten auch ein Festhalten am Kurs der Wärmewende. Die Zustimmungswerte fallen aber nicht ganz so hoch aus wie im Strombereich. So gaben 59 Prozent der Befragten an, dass sie eine kurzfristige Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ablehnen. CDU, CSU und SPD ringen noch darum, wie sie mit dem GEG umgehen wollen. Förderprogramme, Investitionsanreize und CO2-Bepreisung sollten die Dekarbonisierung des Gebäudesektors weiter begleiten. Dennoch gehen 41 Prozent der Befragten davon aus, dass Deutschland ein vollständiger Ausstieg aus der Erdgasnutzung bis 2045 nicht gelingen wird, 59 Prozent sehen das anders.

 

Immerhin 88 Prozent sehen in der Energiewende insgesamt - trotz steigender Kostenbelastung - eine Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Umfrage macht zudem mit Blick auf die Geopolitik deutlich, dass nicht nur die Abhängigkeit von Russland, sondern auch die energiepolitischen Beziehungen zu den USA von der künftigen Bundesregierung kritisch hinterfragt werden sollten. Die Ergebnisse der Umfrage "Klartext Koalitionsvertrag Energie" wurden bereits an die Verhandlungsteams der Koalitionsparteien übermittelt und sollen ein Meinungsbild der Energiebranche in die weiteren Verhandlungen einfließen lassen. /cs

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