Bundeswirtschaftsministerium plant Studie zu Wasserstoffverteilnetz
Berlin (energate) - Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einer Studie zur Finanzierung des Wasserstoffverteilnetzes. Das kündigte Ingo Fährmann, Leiter des Referats "Wasserstoffnetze und -speicher, Gasnetze; Koordinierung" des Bundeswirtschaftsministeriums, beim Diskussionsformat "Wasserstoff WG" des Verbandes DVGW an. In der Diskussion hatte Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, zuvor "eine Art Richtungsvorgabe" bei Finanzierungsfragen gefordert. Im Förderregime stünden Wasserstoffverteilnetze immer an letzter Stelle. Linke verlangte zudem "mehr Ernsthaftigkeit" und "deutliche Zeichen" aus dem Wirtschaftsministerium beim Thema Wasserstoff. Aktuell findet sich im EnWG-Entwurf nur der Hinweis, dass die Bundesnetzagentur am Anfang des Markthochlaufs "nicht kostendeckende Entgelte" genehmigen darf.
Momentan würden Investoren abgeschreckt und Deutschland werde von anderen Ländern überholt, betonte Linke. Der Bericht zum Energiewende-Monitoring und die zehn Schlüsselmaßnahmen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hätten "eine gewisse Alibi-Funktion, nämlich die, dass man überall das Tempo rausnimmt". Dem widersprach Fährmann: Dass über das Monitoring ein Stoppschild für Wasserstoff aufgestellt werde, stimme nicht. "Und das ist auch definitiv nicht die Meinung unserer Hausleitung", so Fährmann.
Anforderungen an Wasserstoff runterschrauben?
Auf die Rolle des Wasserstoffhochlaufs für die Glasindustrie machte Christiane Nelles, Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband Glasindustrie, aufmerksam. In einer Glaswanne nutze die Industrie derzeit ca. 80 Prozent Gas und 20 Prozent Strom. Zur Dekarbonisierung werde dieses Verhältnis zwar umgedreht. Die dann 20 Prozent klimaneutralen Gase müssten trotzdem zu konkurrenzfähigen Preisen beschafft werden. Nelles plädierte dafür, die Anforderungen an Wasserstoff herunterzuschrauben, bis Skaleneffekte erreicht seien.
Xenia Papst, Senior Commercial Manager Hydrogen Germany bei Uniper, warnte dahingegen, grünen Wasserstoff durch grauen zu verdrängen. Sie plädierte stattdessen dafür, politische Instrumente wie die Netzentgeltbefreiung und die Strompreiskompensation zu verlängern und nachzuschärfen, um den Wasserstoffhochlauf in Gang zu bringen. Denn es sei ja nun ein bisschen zu spät, einzuräumen, bei Wasserstoff habe man als Land auf das falsche Pferd gesetzt. /kij