Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Bundesnetzagentur erwägt Gasreserve

Hamburg (energate) - Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller kann sich die Einführung einer strategischen Gasreserve vorstellen. Grundsätzlich sorgten in Deutschland Händler und Gasversorger für eine ausreichende Versorgung von Industrie und Haushalten, sagte Müller der "DPA". Das solle auch so bleiben. Es könne aber externe Schocks geben, die es notwendig machten, schnell reagieren zu können. Dafür brauche es eine Absicherung. Die geltenden Füllstandsvorgaben für Gasspeicher hätten sich als zu sperriges Instrument erwiesen, das den Markt verzerre. Eine strategische Reserve könnte eine mögliche Antwort sein.

 

Als Instrument in der Gaskrise im Herbst 2022 eingeführt, haben sich die Füllstandsvorgaben mittlerweile zum Hindernis der Gasspeicherbefüllung entwickelt. Marktteilnehmer kritisieren schon lange, dass die falschen Signale im Markt gesetzt werden. Sie fordern, die Vorgaben abzuschaffen. Auch ein Gutachten von Frontier Economics im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) schlägt eine Abschaffung vor. Die aktuelle Regelung gilt noch bis Ende März 2027. BMWE-Referatsleiter Stefan Rolle zeigte sich im energate-Talk allerdings pessimistisch, dass die Vorgaben vorher gekippt werden.

 

30-Prozent-Ziel zum 1. Februar gehalten

 

Aktuell sind die deutschen Gasspeicher mit rund 81,5 TWh zu knapp 32,5 Prozent gefüllt. Damit wurde die Füllstandsvorgabe von 30 Prozent zum 1. Februar gehalten. Die Branche erwartet bis zum Ende der Heizsaison ein weiteres Absinken und warnt vor sehr niedrigen Füllständen. Die Befüllung vor dem nächsten Winter 2026/27 könne damit zur Herausforderung werden, heißt es vom Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft.

 

Im vergangenen Sommer mussten rund 125 TWh Gas für den Winter 2025/2026 eingespeichert werden, um die Füllstandsziele zu erreichen. Aktuell liege der Füllstand deutlich unter dem Vorjahreswert, warnt der Verband. Sollte sich der Trend fortsetzen, so müsste im kommenden Sommer fast 50 Prozent mehr Gas als im letzten Jahr eingespeichert werden. Aus Sicht des Gasspeicherbetreiberverbands Ines war die Befüllung im vergangenen Sommer schon "unzureichend" und ein Risikofaktor für die Versorgungssicherheit. Zum Beginn der Heizsaison standen die Speicher bei rund 75 Prozent.

 

Kein sinnvolles Geschäftsmodell

 

Für Gashändler sei der Vorhalt von Gas, das nur in Ausnahmefällen benötigt wird, kein sinnvolles Geschäftsmodell, heißt es von dem Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. "Die Bundesregierung braucht deshalb ein klares Konzept, um die Befüllung und Bewirtschaftung der Gasspeicher sicherzustellen", sagte dessen Vorstand Timm Kehler. Im Moment seien die Händler gefangen zwischen staatlichen Vorgaben und dem Wunsch der Bundesregierung, die Kräfte des Marktes walten zu lassen. "Es ist wichtig, diesen Widerspruch zu lösen, um die Versorgung zu sichern und gleichzeitig die Kosten zu begrenzen", so Kehler.

 

Klaus Müller verwies im Gespräch mit der "DPA" darauf, dass die Speicher zwar weiter wichtig seien, aber auch nicht der einzige Indikator für die Gasversorgung. Die vorhandene LNG-Infrastruktur sei aktuell nicht voll ausgelastet und biete noch Spielräume für zusätzliche Gasimporte. Darauf verwies auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Rande ihres Besuchs in Saudi-Arabien. "Wir monitoren die Lage täglich - Sorgen sind nicht angebracht", so Reiche. Deutschland komme gut durch den Winter. Auch Kehler betont: "Dank der LNG-Infrastruktur an Deutschlands Nord- und Ostseeküsten sowie neuer Pipelineverbindungen kann die Gaswirtschaft kurzfristig auf Bedarfe reagieren."

 

Neue LTO-Sonderausschreibung

 

Zur Sicherung der Versorgung hat der Marktgebietsverantwortliche THE allerdings kurzfristig sogenannte Long-Term Options (LTO) ausgeschrieben und das im großen Stil. Um Transporte im Gasnetz sicherzustellen, wird im Rahmen der LTOs Regelenergie aus Speichern vorgehalten. Dass es dabei zu einem Mengenproblem kommen könnte, befürchtet THE nicht - auch nicht die Bundesnetzagentur. Ein BNetzA-Sprecher erläuterte auf Nachfrage, mit den LTOs könne mit der zusätzlichen Leistung bei hoher Last die Zeit überbrückt werden, bis LNG vom Norden in den Süden Deutschlands gelangt.

 

Das Regelenergieinstrument dient der Absicherung und wurde noch nie abgerufen. Es greift erst dann, wenn THE keine andere Option mehr hat zur Sicherung der Stabilität des Systems und damit der Versorgung. Marktteilnehmer sind dennoch nervös und verweisen auf sinkende Speicherstände und fehlende Leistungsreserven. /tc /hl

Zurück