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BNetzA wünscht sich Transparenz bei H2-Clustern

Bonn (energate) - Die Bundesnetzagentur (BNetzA) wünscht sich mehr Transparenz beim Aufbau der ersten Wasserstoffinseln in Deutschland. "Für den Markt ist dies eine wichtige Information, ab wann sich in den Regionen neue Wasserstoff-Kundengruppen erschließen lassen", sagte der zuständige BNetzA-Referatsleiter Sascha Grüner im Interview mit dem energate-Magazin emw. Dabei denkt er nicht nur an örtliche Angaben, wo die ersten Cluster entstehen, sondern auch an mögliche Zeitpunkte, wann sich benachbarte Cluster zusammenschließen könnten. Netzbetreiber und Wasserstoffbranche diskutieren die Einrichtung einer zentralen Plattform, eine Art Data Hub, über den sich Informationen gebündelt abrufen lassen. Referatsleiter Grüner wollte dies auf Nachfrage nicht bewerten, weil das Festlegungsverfahren dazu noch in vollem Gang ist.  

 

Das Wasserstoff-Kernnetz hatte die Behörde bereits im Oktober 2024 genehmigt. Inzwischen haben erste Netzbetreiber wie Gascade, Nowega und Ontras kleinere Teilstücke in Betrieb genommen. Laut Planung sollen dieses Jahr insgesamt 525 Kilometer Kernnetz fertig werden. Der weit größte Teil davon sind Umbaumaßnahmen, insbesondere die Umwidmung der Pipeline Opal von Lubmin nach Radeland in Brandenburg, die ursprünglich für den Abtransport russischer Erdgasmengen vorgesehen war. In den ersten H2-Clustern Deutschlands versorgen mit Fördermitteln aufgebaute Elektrolyseure Industriekunden, darunter die 30-MW-Anlage im Energiepark Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt), mehrere H2-Projekte in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) oder die von RWE und BP in Lingen (NRW) geplanten Elektrolyseure.

 

WasABi und WaKandA geben den Rahmen vor

 

Die zuständige BNetzA-Beschlusskammer 7 arbeitet noch an den Spielregeln für den Netzzugang, für die unterbrechbaren und festen Transportprodukte sowie für die Regelenergie. Dies wird über die beiden Festlegungen WaKandA (Wasserstoff Kapazitäten Grundmodell und Abwicklung des Netzzugangs) und WasABi (Wasserstoff Ausgleichs- und Bilanzierungsgrundmodell) geschehen. Zum Hintergrund: Im eingeschwungenen Gasmarkt stehen große Erdgasspeicher für die Absicherung der Versorgungssicherheit zur Verfügung. Wenn aber in einem H2-Cluster beispielsweise ein Elektrolyseur nur einen Industriekunden mit Wasserstoff beliefert, dann müssen die Vertragspartner gemeinsam überlegen, was in solchen Stunden passiert, in denen Wind- oder Solarmengen für den Betrieb des Elektrolyseurs fehlen. Dafür kommt der Aufbau eines Wasserstoffspeichers infrage, der beispielsweise für Bad Lauchstädt geplant ist. Zweite Option wäre, dass ein Industriekunde, der nicht auf eine konstante Wasserstofflieferung angewiesen ist, stundenweise zugunsten eines anderen Unternehmens verzichtet. Dafür könnte der im Festlegungsentwurf WasABi getaufte "Helper" eine Entschädigung erhalten. Der "Causer", der den Regelenergiebedarf auslöst, würde im Gegenzug eine Pönale zahlen.

 

Wegen des laufenden Verfahrens konnte Referatsleiter Grüner im emw-Interview noch keine weiteren Details vorwegnehmen. Zumindest würden die Regelenergiefragen einfacher werden, je mehr neue Erzeuger, Verbraucher oder Speicher hinzukommen, ordnete der Referatsleiter ein. Beim Erdgas jedoch wird in seinen Augen genau das Gegenteil passieren. "Voraussichtlich wird sich die Verantwortung für die Versor­gungssicherheit in Richtung der lokalen Akteure verlagern, weil sie dann nicht mehr in das ganz große Erdgasnetz einge­gliedert sind", erläuterte er. Die Fragen müsse der Netzentwicklungsprozess auf Fernleitungsnetzebene mitdenken, aber auch die Netzbe­treiber im Gespräch mit ihren Kunden vor Ort. "Das werden wir als Regulierungsbehörde in den nächsten 20 Jahren im Auge behalten müssen", so Grüner. 

 

Abgestimmte Netzplanung für H2 und Erdgas wird wichtig

 

Wichtig sei ebenso wie beim H2-Hochlauf auch bei der Stilllegung von Gasleitungen die Transparenz in den einzelnen Phasen. Hier wird die Regulierungsbehörde auch die Umsetzung des Gas-Binnenmarktpaketes in deutsches Recht abwarten müssen. Vor dem Platzen der Ampel-Regierung soll es laut energate-Informationen schon einen ersten Entwurf gegeben haben. Jetzt wird das Regelwerk für den Gasausstieg inklusive Rechte und Pflichten für Netzbetreiber und Gaskunden noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Kostensenkungen bei den Strompreisen und die Kraftwerksstrategie haben aktuell Priorität bei Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Grüner, dessen Referat neben dem Netzzugang Wasserstoff auch für den Gasnetzzugang zuständig ist, wünscht sich jedenfalls ein "gutes Gleichgewicht": Erdgasnetze seien in einem sinnvollen Maß herunterzufahren und auf der anderen Seite Wasserstoffbedar­fe zu bedienen. "Doppelte Leitungsinfrastrukturen gilt es mög­lichst zu vermeiden", gab er als Ziel aus. /mt

 

Das vollständige Interview mit BNetzA-Referatsleiter Sascha Grüner lesen Sie in der neuen Ausgabe des energate-Magazins emw. Dort ist auch ein Interview mit Susanne Thöle, Director Hydrogen bei Uniper veröffentlicht, das in Auszügen im Gas-Add-on einzusehen ist.  

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