BNE: Dunkelflauten sind kein Risiko
Berlin (energate) - Dunkelflauten taugen aus Sicht des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) nicht als Gegenargument gegen ein erneuerbares Stromsystem, sondern als Testfall dafür, wie gut Flexibilität organisiert ist. Der Verband setzt deshalb mit einem neuen Infohub und einem Faktenpapier auf Aufklärung. Deutschland beherrsche solche Wetterlagen bereits heute sicher und werde künftig mit mehr Speichern, flexibler Nachfrage und erneuerbaren Brennstoffen noch robuster werden.
Versorgungssicherheit entstehe durch Wettbewerb von Flexibilität, Speichern und erneuerbaren Brennstoffen, so der BNE. Verbrauch lasse sich gezielt verschieben, Batteriespeicher würden Lastspitzen dämpfen und den Bedarf an "teuren Spitzenkraftwerken" reduzieren. Für längere Phasen könnten erneuerbare Langzeitspeicher wie Biogas, Biomethan und künftig grüner Wasserstoff das System absichern und so den Bedarf an fossilen Kapazitäten verringern.
Busch: Dunkelflauten normal
BNE‑Geschäftsführer Robert Busch kritisierte bei einer Veranstaltung die negative Aufladung des Begriffs "Dunkelflaute" und warnte davor, daraus eine Angstdebatte zu machen. Dunkelflauten seien "normal" in einem wetterabhängigen Energiesystem, und es gebe "unglaublich viele Lösungen". Dank eines intelligenten Stromsystems wären sie "heute, morgen und übermorgen sicher beherrschbar".
Inhaltlich verzahnte der BNE die Argumentation mit konkreten Systembausteinen. Carsten Pfeiffer, Politikchef bei dem Verband, zeigte anhand ausgewählter Tage aus 2024, dass trotz niedriger Wind‑ und Solarproduktion die Versorgung stabil blieb, auch dank europäischem Stromaustausch. Reservekapazitäten seien in den gezeigten Fällen nicht erforderlich gewesen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass künftig Speicher und Nachfrageflexibilität Schwankungen stärker abtragen sollen und die Rolle steuerbarer Erzeugungskapazitäten tendenziell sinkt, während die Brennstoffe schrittweise grüner werden.
Speicher reduzieren gesicherte Back-up-Leistung
Aus Unternehmenssicht untermauerten die Referenten das Flexibilitätsnarrativ mit Zahlen. Amadeus Teuffel vom Speicherprojektierer Eco Stor bezifferte den Bestand großer Batteriespeicher in Deutschland auf 2,5 GW Leistung. Seine Kernthese: Der Ausbau von 60 GW an Kurzzeitspeichern reduziere den Bedarf an gesicherter Back-up-Leistung um 15 bis 20 GW, ganz ohne Subventionen. Auch Kurzzeitspeicher könnten einen erheblichen Einfluss auf die benötigten Back-up-Leistungen haben, so Teuffel.
Sandra Rostek vom Hauptstadtbüro Bioenergie ergänzte die Kurzzeitspeicher‑Perspektive um steuerbare erneuerbare Leistung aus Biogas. In Deutschland gebe es etwa 10.000 Anlagen und rund 90 TWh Produktion. Durch stärkere Überbauung und Flexibilisierung will die Branche nach Rosteks Angaben die Leistung von heute sechs GW auf zwölf GW bis 2030 erhöhen. Sebastian Schaule vom Energieanbieter Octopus Energy verknüpfte das Thema mit der Nachfrageseite: Elektrifizierung verändere Lastprofile, deshalb seien zeitvariable Tarife und perspektivisch automatisiertes Lastmanagement wichtig. Als zentrales Nadelöhr dabei benannte er den Rollout digitaler Zähler. /mh