Biogasbranche hofft auf die Union
Berlin (energate) - Die Biogasbranche hofft zukünftig auf mehr Unterstützung durch die Politik. Das wurde deutlich auf einer Pressekonferenz des Fachverbandes Biogas in Berlin. "Die Diskriminierung der Biomasse wird nach der Wahl wahrscheinlich aufhören", sagte Horst Seide, Präsident des Verbandes. Er verwies auf den aktuellen Entwurf des Kraftwerkssicherheitsgesetzes, nach dem nur Gebote zu den Ausschreibungen zugelassen werden, die eine Mindestgröße von 10 MW steuerbarer elektrischer Netto-Nennleistung aufweisen. Diese Größe haben Biogasanlagen in der Regel nicht. Auch Vorgaben zum Standort der Anlagen würden die Biogasanlagen ausschließen, so Seide.
Dass das Biomassepaket noch kommt, glaubt Seide nicht. Hier habe die Union andere Vorstellungen, sagte er. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte die Förderung von Biomasse eigentlich reformieren. Biomasse solle verstärkt eingesetzt werden, wenn Windenergie- und Solaranlagen nicht genug Strom produzieren, hatte das Ministerium angekündigt.
Warnung vor der Dunkelflaute
Seide hofft aber, dass vor der nächsten Ausschreibungsrunde noch kleinere Gesetzesänderungen möglich sind. "Wir brauchen ein Ausschreibungsvolumen von 1.800 MW einmalig im Jahr 2025", sagte er. Sonst hätten eine ganze Reihe von Biogasanlagen keine Anschlussförderung. Laut Branche stehen hunderte von Anlagen vor der Stilllegung, weil deren 20-jährige EEG-Vergütung nun ausläuft.
Rund zehn Prozent der Anlagen seien davon betroffen, heißt es vom Verband, der von knapp 10.000 Biogasanlagen in Deutschland spricht. "Es sind schon Terawattstunden, die dann nicht mehr da sind", so Seide. "Wenn diese Menge auch noch in der Dunkelflaute fehlt, ist das ein großes Problem", ergänzte Hauptgeschäftsführer Claudius da Costa Gomez.
Umweltverbände drängen auf Biomassestrategie
Die Nationale Biomassestrategie schnell voranzutreiben, fordern derweil Umweltverbände. Während es im Biomassepaket zunächst darum geht, die Förderung zu reformieren, soll die Biomassestrategie zur nachhaltigen Ressourcennutzung sowie zum Klima- und Biodiversitätsschutz beitragen.
In einem offenen Brief an die grünen Minister Habeck (Wirtschaft), Lemke (Umwelt) und Özdemir (Landwirtschaft) empfehlen Naturschutzbund, Deutsche Umwelthilfe und weitere Organisationen, das verbleibende Zeitfenster bis zu den Neuwahlen zu nutzen und die Kabinettsbefassung der Biomassestrategie voranzutreiben. Sie betonen, dass die natürlichen Ressourcen nicht ausreichen würden, um fossile Energieträger im großen Umfang durch nachhaltig erzeugte Biomasse zu ersetzen. Eine kluge Steuerung sei unabdingbar, heißt es in dem Brief. /ck