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Badenova steigt bei Smart Geomatics ein

Freiburg (energate) - Der Freiburger Regionalversorger Badenova will die Kommunale Wärmeplanung professionalisieren. Hierzu ist das Unternehmen mit 60 Prozent beim Karlsruher Softwareanbieter Smart Geomatics eingestiegen. Gemeinsam wollen die beiden Partner vor allem mehr Tempo in die Erstellung von Wärmeplänen bringen. "Wir haben gemerkt, es geht zu langsam. Wir müssen schneller und automatisierter unterwegs sein", erklärte Manuel Baur, Leiter der Abteilung Integrierte Infrastrukturplanung bei der Tochtergesellschaft Badenova Netze, im Gespräch mit energate. Ein Problem sei es etwa, "monatelang in einer Datenerhebung festzuhängen". Die Badenova will spätestens bis zum Jahr 2028 für alle rund 170 Konzessionsgemeinden die Wärmeplanung abgeschlossen haben. Rund 60 davon haben sich bereits zusammen mit Badenova Netze auf diesen Weg gemacht.

 

Baur und Beck bilden Geschäftsführung

 

Mit dem Einstieg der Badenova bei Smart Geomatics ist Baur zudem in die Geschäftsführung des Softwarespezialisten und Anbieter von GIS-Dienstleistungen (Geoinformationssysteme) eingetreten. Die Geschicke des Unternehmens leitet er nun gemeinsam mit Thomas Beck. Der Diplom-Ingenieur war bislang alleiniger Geschäftsführer und hatte ein Team von neun Mitarbeitenden unter sich. "Die meisten sind Kartografen, neuerdings sagt man aber Data Analyst", so Beck gegenüber energate. Smart Geomatics gibt es seit 2006. Es hat sich von Beginn an stark auf die Verarbeitung von Geodaten im Bereich der erneuerbaren Energien konzentriert und in dem Zusammenhang beispielsweise ein Solarkataster für den Nordschwarzwald erstellt. 2010 kam dann die Bearbeitung komplexerer Klimaschutzkonzepte als Geschäftsfeld hinzu. "Unsere Idee war es, diese vielzähligen Informationen in solchen Konzepten auf digitale Beine zu stellen", erklärt Beck.

 

Tool macht genaue Voraussagen zum Wechselverhalten

 

Daraus entstanden ist eine Webanwendung, die jetzt auch für die Kommunale Wärmeplanung zum Einsatz kommt. Denn das Tool nutzt nicht nur verschiedene Geodaten zum Gebäudebestand, Wärmeabnehmern oder Erzeugern von grüner Energie, sondern macht über das Einbinden komplexer Algorithmen auch sehr genaue Voraussagen zu dem "Wechselverhalten" der Heizungskunden. Dabei lässt der Algorithmus unter anderem Geodaten, sozioökonomischen und Netzinfrastrukturdaten einfließen. Für Baur beziehungsweise den Energieversorger Badenova ein echter Gamechanger. "Wie viel Kilowattstunden werden künftig von welchem Energieträger wo und bis wann nachgefragt? Mit solchen Prognosen können wir bestmöglich Energiezukunft antizipieren und unseren zukünftigen Versorgungsauftrag danach ausrichten", erklärt der Experte. Das bedeutet, unterm Strich die Entscheidung zu treffen, wo auf welches Asset zu setzen und so Fehlinvestitionen zu vermeiden. Für Baur schafft das auch noch mal mehr Vertrauen in die kommunale Wärmeplanung: "Wenn die Leute erkennen, wir planen also tatsächlich unsere Investitionen auf Basis dieser Pläne."

 

Energieleitplanung statt nur Wärme

 

Erste Berührungspunkte hatte die Badenova zum Karlsruher Softwareunternehmen schon vor einigen Jahren, also es um die Wärmeplanung für drei Modellkommunen von Baden-Württemberg ging. Der Versorger war in Freiburg beteiligt, Smart Geomatics hatte die Planung für Bruchsal übernommen. "Wir haben dann schnell gemerkt, das Mindset ist ähnlich. Wir haben beide die gesetzliche Wärmeplanung von Anfang an ganzheitlich als Energieleitplanung interpretiert", so Baur. So kann die Anwendung beispielsweise auch Wärmepumpenkataster erstellen oder Ladepunktpotenziale analysieren.

 

Für die Gemeinde Stegen haben die Partner dann eine erste gemeinsame Planung vorgenommen und dabei auch das Tool zur digitalen Energieleitplanung (DELP) weiterentwickelt. Bis jetzt kam es bei 60 Kommunalen Wärmeplänen zum Einsatz. Dabei sei es unter anderem wichtig gewesen, auch das Baujahr des Gebäudes einfließen zu lassen und entsprechende Daten einzukaufen. Weil diese Information zum Beispiel Rückschlüsse über den Dämmeigenschaften der Gebäudehülle, aber auch zu den Wärmebedarfen zulässt, die an sich als personenbezogene Daten nicht ohne weiteres genutzt werden dürfen.

 

"Erheblicher Beratungsbedarf"

 

Nun wollen die beiden Partner auf eine "lange, gemeinsame Reise" gehen, wie Baur sagt. Dabei soll die Marke "Smart Geomatics" erhalten bleiben, das Unternehmen aber deutlich wachsen. Geschäftsführung Beck sprach gegenüber energate von einer "Verdopplung in den nächsten fünf Jahren". Denn er, ebenso wie sein Geschäftsführer-Kollege von Badenova Netze gehen von einem erheblichen Beratungsbedarf, nicht nur vonseiten der Kommunen, sondern genauso auch von Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken aus. Die Badenova beschränkte ihre Tätigkeit rund um die Kommunale Wärmeplanung bislang auf Baden-Württemberg. Smart Geomatics ist indes bereits in sieben Bundesländern aktiv.

 

Die Badenova baut mit dem Einstieg ihre vor allem ihre Kompetenzen und das Know-how in der digitalen Infrastrukturplanung und Geodatenanalyse aus. Gemeinsam wollen die Partner die Dienstleistung digitale Energieleitplanung künftig bundesweit als neues Geschäftsfeld erschließen, wie Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand gegenüber energate betonte. "Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir vor allem Intelligenz und Kreativität - bei der Entwicklung von innovativen Ideen ebenso wie bei der Nutzung von Daten", kommentierte Hellebrand den Einstieg seines Unternehmens bei Smart Geomatics. Für die Badenova ist es nicht die erste Beteiligung rund um das Themenfeld Wärme. Im Oktober vergangenen Jahres hatte sich der Versorger bereits beim Plattformanbieter Mondas eingekauft. Ein gemeinsames Projekt war etwa die Wärmeversorgung für das Stadion des Fußballbundesligisten SC Freiburg. /ml

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