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77 Verfahren wegen Versäumnissen beim Smart-Meter-Rollout

Bonn (energate) - Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 27. März Verfahren gegen 77 Messstellenbetreiber eingeleitet. Die betroffenen Unternehmen hatten zum Stichtag 31. Dezember 2025 noch nicht mit dem Smart-Meter-Einbau begonnen. Ziel war aber, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt 20 Prozent der Pflichteinbaufälle getätigt haben.

 

Laut Messstellenbetriebsgesetz kann die BNetzA zum Smart-Meter-Rollout Zwangsgelder zwischen 1.000 und 10 Mio. Euro verhängen. Die betroffenen Messstellenbetreiber sind allesamt kleine oder sehr kleine Unternehmen. Deshalb werde sich die Bundesnetzagentur am unteren Rand bewegen, voraussichtlich zwischen 5.000 und 40.000 Euro, sagte ein Behördensprecher zu energate. Allerdings könne die BNetzA diese Zwangsgelder auch mehrfach verhängen. Das Ziel der Verfahren sei eine Beschleunigung des Rollouts. Es gehe nicht darum, Unternehmen zu bestrafen, stellte der Sprecher klar.

 

Gelegenheit zur Stellungnahme

 

Zwangsgelder adressieren im Gegensatz zu Bußgeldern nicht vergangene Aktivitäten, sondern sind mit einer Frist verbunden. Die Bundesnetzagentur wird die betroffenen Messstellenbetreiber also auffordern, ihre Vorgaben bis zu einem bestimmten Stichtag zu erfüllen, ansonsten müssen sie zahlen. Zuvor haben die Unternehmen allerdings noch Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Erst dann legt die Bundesnetzagentur die Höhe der Zwangsgelder individuell fest.

 

Die Aufsichtsverfahren stellen einen ersten Aufschlag dar. Die Bundesnetzagentur wird nach eigenen Angaben weitere Verfahren einleiten. Diese zielen dann auch auf Messstellenbetreiber, die zwar bereits mit dem Rollout begonnen, aber das 20-Prozent-Ziel noch nicht erreicht haben. Dabei wird die BNetzA auch optionale Einbaufälle berücksichtigen. Diese weist sie erstmals auch in ihrer Tabelle aus. Dabei zeigt sich: Es gibt durchaus Messstellenbetreiber, die unter Berücksichtigung der optionalen Einbaufälle eine 20-Prozent-Quote erreichen, ohne aber nicht. Dazu gehören etwa die kommunalen Netzbetreiber aus Bamberg, Heiligenhaus, Norden, Saarlouis, Rüsselsheim und Vlotho sowie die Getec und Westfalen Weser Netz.

 

Gründe säumiger Messstellenbetreiber

 

Aus der Branche ist zu hören, dass viele kleinere Stadtwerke schlicht keine Kompetenzen in dem Bereich mitbrächten. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sagte dazu: "Diese Unternehmen geben als Grund für die noch fehlende Umsetzung regelmäßig hohe IT- und Prozessanforderungen sowie Ressourcenengpässe an."

 

Es können aber auch ganz andere Gründe vorliegen, warum Messstellenbetreiber zum Jahreswechsel noch nicht mit dem Rollout begonnen haben, etwa Umbrüche innerhalb von Unternehmen. So erklärte ein Sprecher der Stadtwerke Sulzbach/Saar auf Anfrage von energate, der Start des Smart-Meter-Rollouts habe sich wegen der Umstrukturierung des Unternehmens und eines Geschäftsführerwechsels verzögert. Mittlerweile hätten die Stadtwerke jedoch mit dem Rollout begonnen.

 

Umstrukturierungen sind auch der Grund für die nullprozentige Rolloutquote der Energiewerke Zeulenroda. Die Teag hatte diese im Dezember 2024 vollständig übernommen, nachdem die Minderheitsgesellschafterin Stadtwerke Zeulenroda zuvor Insolvenz angemeldet hatte. Die Energiewerke Zeulenroda hatten 2025 den Rollout gestoppt, da die Netzgesellschaft der Teag, die Thüringer Energienetze (TEN), die Netze in Zeulenroda zum 1. Januar 2026 übernommen hat, erklärte ein Teag-Sprecher auf energate-Nachfrage. Die TEN führe jetzt den Rollout fort beziehungsweise tausche bestehende Zähler zwecks Vereinheitlichung aus. In der nächsten Rollout-Liste der Bundesnetzagentur werden die Stadtwerke Zeulenroda nicht mehr erscheinen, kündigte der Sprecher an.

 

Ebenfalls in der Liste mit null Prozent Rolloutquote tauchen die Stadtwerke Sindelfingen (Baden-Württemberg) auf. Diese teilten mit, die Datenauswertung bilde nicht den aktuellen Stand des Rollouts ab. Bis Ende Dezember 2025 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 120 Messstellen ausgestattet. "Aktuell sind wir bei 160 umgerüsteten Messstellen und erreichen somit eine Quote von circa 15 Prozent", führten die Stadtwerke aus.

 

313 erreichten Etappenziel

 

Von den 813 grundzuständigen Messstellenbetreibern erreichten 313 zum Jahreswechsel das Etappenziel von 20 Prozent - 500 entsprechend nicht. Von diesen konnten aber 116 eine Rolloutquote von mindestens 15 Prozent vorweisen. Dabei ist die Rolloutquote weiterhin bei größeren Messstellenbetreibern im Durchschnitt größer als bei kleineren, wie die Bundesnetzagentur auflistet. Über alle Unternehmen hinweg lag die Ausstattungsquote zum Jahreswechsel bei 23,3 Prozent. Die 20-Prozent-Quote hatte die Branche schon bei der vorausgegangenen Erhebung geknackt. 

 

Mittlerweile sind 3.094.346 aller Messlokationen in Deutschland mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Das entspricht einem Anteil von 5,5 Prozent. Inbegriffen sind dabei Nicht-Pflichteinbauten, also insbesondere auch Verbrauchsstellen von unter 6.000 kWh/Jahr.

 

Branchenvertreter weitgehend zufrieden

 

Branchenvertreter begrüßten die aktuellen Zahlen. Laut BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae zeigten diese, dass sich die Branche auf dem Weg befinde. Und auch Michal Sobótka, Geschäftsführer der Gwadriga GmbH, stimmte im energate-Gastkommentar zu, der Rollout verlaufe insgesamt nach Plan.

 

Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland, ergänzte, endlich bewege sich etwas beim Smart-Meter-Rollout in Deutschland. "Über drei Millionen installierte Systeme sind längst überfällig. Denn ohne Smart Meter können die Menschen nicht von innovativen Stromtarifen profitieren und aktiver Teil der Energiewende werden." Thorsten Klein, Geschäftsführer beim wettbewerblichen Messstellenbetreiber Inexogy, merkte derweil an, das Rollout-Tempo reiche noch nicht aus. Er ermunterte dabei speziell kleinere grundzuständige Messstellenbetreiber, mit wettbewerblichen Messstellenbetreibern zu kooperieren. /sd

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